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Zuletzt aktualisiert: 12.04.2010 um 16:41 UhrKommentare

Schiri-Boss Hantschk nach Abseitstor "geknickt"

Schiedsrichter-Chef Johann Hantschk spart einen Tag nach dem gegebenen Abseitstor beim Schlager Austria gegen Sturm nicht mit Selbstkritik. "Das war eine unglückliche Entscheidung", sagt Sturm-Präsident Rinner.

"Kann nur Blackout gewesen sein"

Foto © KLZ DIGITAL Montage: GEPA"Kann nur Blackout gewesen sein"

Der Chef der österreichischen Fußball-Schiedsrichter, Johann Hantschk, musste am Sonntag im Horr-Stadion mitansehen, wie ein irreguläres Tor den Schlager zwischen Austria und Sturm Graz zugunsten der Wiener entschieden hat. Hantschk fühlt sich nach eigenen Angaben "geknickt". "Ich habe sofort gemerkt, dass es abseits war", sagte Hantschk über den Treffer von Roland Linz. Zu dieser Erkenntnis gelangte Assistent Bernhard Zauner erst nach dem Studium der TV-Bilder. "Es ist sehr bedauerlich, dass das einem erfahrenen, Champions League erprobten Mann passiert ist. Er ist gebrochen und wird jetzt auch eine längere Pause bekommen", kündigte Hantschk an.

Der Schiri-Boss rätselt noch immer, wie es zur folgenschweren Fehlentscheidung gekommen sein könnte. "Das war kein Fehler oder falsche Wahrnehmung. Das kann nur ein Blackout gewesen sein, anders kann ich es mir nicht erklären. Dass die Vertreter von Sturm aufgebracht sind, ist verständlich." Schiedsrichter Dietmar Drabek trifft laut Hantschk keine Schuld. "Er muss andere Dinge beobachten, zum Beispiel, ob im Strafraum ein Foul passiert. Abseits-Entscheidungen sind klar die Aufgabe des Assistenten."

Hantschk: "Einen entscheidenden Fehler gemacht"

Nach Ausreden wollte der Wiener erst gar nicht suchen. "Es ist kein Argument, wenn man sagt, dass auch Spieler Fehler machen. Wir haben einen entscheidenden Fehler gemacht, und das ist traurig." Hantschk hofft nun auf einen ruhigen Verlauf der bevorstehenden englischen Woche. "Hoffentlich passieren keine gravierenden Fehlentscheidungen. Wenn doch, sehe ich mich gezwungen, die Burschen nach dem Wochenende zusammenzutrommeln." Zusätzliche Einheiten für Schiedsrichter zu den laufenden Schulungsmaßnahmen seien allerdings nicht geplant.

Die durch das Abseitstor aufkommenden Forderungen nach technischen Hilfsmitteln kann Hantschk nachvollziehen. "Der Videobeweis wäre in diesem Fall ideal gewesen, aber die FIFA will ihn eben nicht. Damit müssen wir leben, und damit ist jede Diskussion müßig." Eine Spielwiederholung ist laut Hantschk nicht möglich. "Das hat es ja auch bei Frankreich - Irland (Anm.: Handspiel von Thierry Henry vor dem entscheidenden Treffer der Franzosen) nicht gegeben", sagte der oberste Schiedsrichter-Boss und war damit einer Meinung mit Bundesliga-Vorstand Georg Pangl. "Das war einfach eine Tatsachenentscheidung, daher kann es keine Wiederholung geben."

Das Schuldeingeständnis von Zauner bewertete Pangl positiv, und auch Liga-Präsident und Sturm-Boss Hans Rinner ließ sich davon besänftigen. "Das war eine unglückliche Entscheidung für alle Beteiligten. Doch Zauner hat das sicher nicht absichtlich getan. So blöd es klingt, aber so etwas kann passieren." Der Auftritt von Schiedsrichter Thomas Einwaller beim 1:1 zwischen Sturm und Rapid am 20. März liegt Rinner noch mehr im Magen. "Da war es ganz offensichtlich so, dass Einwaller das Ergebnis über die Zeit bringen wollte."

Generell sei das Image der Unparteiischen durch die jüngsten Fehlpfiffe ramponiert worden, so Rinner. "Mit den Abgang von drei renommierten Schiris im Winter (Anm.: Konrad Plautz, Fritz Stuchlik, Stefan Meßner) hat es einen Qualitätsverlust gegeben, der anscheinend viel dramatischer ist als angenommen." Als Reaktion wünscht sich Rinner eine bessere Schulung der Schiedsrichter im mentalen Bereich und eine breite Diskussion nach Saisonende. "Da müssen sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und schauen, was man gemeinsam tun kann."

Kapl: "Schwierige Situation"

Nicht nur Hantschk, der Vorsitzende der Bundesliga-Schiri-Kommission, sondern auch der oberste Chef der heimischen Referees musste am Montag gegenüber der APA - Austria Presse Agentur zugeben, dass die Unparteiischen im Moment keine gute Performance abgeben. "Die Situation ist derzeit wirklich schwierig. In vier von fünf Partien hat es gravierende Fehlentscheidungen gegeben", sagte der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission im Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB).

Wenn es in dieser Tonart weitergehe, müsste man Sanktionen ergreifen. Die würde von einer Pause des Schiedsrichters oder seines Assistenten über die Streichung von der Bundesliga-Liste bis hin zu zusätzlichen Schulungen reichen. "Bei letzterer Maßnahme würde mit dem Betroffenen anhand von Videos die Fehler analysiert und in Gesprächen nach Gründen für das Versagen gesucht", meinte der Präsident des Steirischen Fußball-Verbandes. Im Fall von Zauner und Austrias Abseitstor gegen Sturm am Sonntag vermutet er Unkonzentriertheit als Ursache.


Spieldaten

FK Austria Wien - SK Sturm Graz 1:0 (0:0)
Franz-Horr-Stadion, 10.223 Zuschauer, SR Drabek
Tor: 1:0 (48.) Linz
Gelbe Karten: Hattenberger, Lindner bzw. Gratzei, Kandelaki, Kienast

Austria: Lindner - Standfest, Dragovic, Ortlechner, Leovac - Klein (81. Baumgartlinger), Hattenberger, Junuzovic (89. E. Sulimani), Acimovic - Linz, Schumacher (46. Jun)
Sturm: Gratzei - Lamotte (75. Haas), Feldhofer, Schildenfeld, Kandelaki - Hölzl, Kienzl (71. Muratovic), Hlinka, Jantscher - Beichler (86. Salmutter), Kienast

Vertagt

Der Strafsenat der Fußball-Bundesliga will zu der Anzeige wegen des verspäteten Beginns des Spiels zwischen Sturm Graz und Rapid (25. Runde) wegen Verstößen gegen das Pyrotechnik-Gesetz weitere Stellungnahmen einholen. Die Verhandlung wurde daher am Montag auf voraussichtlich nächste Woche vertagt.

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