Gehring strebt Privilegien für Ehe und Familie an
Christen-Kanditat Gehring präsentierte sich beim Kleine Zeitung- Salon als ein ausgesprochen versierter Vertreter seiner Interessen.

Foto © BauerGehring in Graz
Mehr als 150 Interessierte gaben am Freitag im Grazer Kunsthaus eine gute Kulisse für den ersten "Salon" der Kleinen Zeitung zur Bundespräsidentenwahl ab. Sie erlebten Rudolf Gehring als einen ausgesprochen versierten Vertreter seiner Interessen, der auf die pointierten Fragen von Gesprächsleiter Ernst Sittinger meist ausreichend kurz und klar antwortete. Im Mittelpunkt stand natürlich die Frage, warum Gehring sein katholisches Christ-Sein in den Vordergrund stelle. "Der Glaube gehört zum Menschen", sagte der Niederösterreicher, der auf bereits 32 Fußwallfahrten nach Mariazell zurückblicken kann. Angesprochen auf den Namen seiner Mitbewerberin meinte er, "Rosenkranz hat für mich eine ganz andere Bedeutung".
Keinen Zweifel ließ er daran, dass die Trennung von Staat und Kirche tabu sei. In der katholischen Kirche - die über einen Sprecher zuletzt auf Distanz zu dem Wahlkämpfer gegangen war - sieht Gehring zu oft eine "unheilvolle Verflechtung" von Institution und Ämtern. Die Kritik aus der Kirche, er missbrauche Gottesdienste für den Wahlkampf, wies Gehring durchaus geschickt zurück. Dass der Atheist Heinz Fischer "beim Papstbesuch in der ersten Reihe gesessen ist", sei für die Kirchenoberen offenbar kein Problem gewesen. Dafür bekam Gehring besonderen Applaus des Publikums.
Konform mit der Kirche ist er, was die Einstellung zu Mann und Frau betrifft. Hier sieht er "überhaupt kein Problem". Dass das Priesteramt Männern vorbehalten ist, sei eine reine "Zweckmäßigkeitsfrage".
Über die Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld äußerte sich Gehring "betroffen". Es gehöre aber zur "Wahrhaftigkeit", dass es viel mehr Missbrauch in andern Teilen der Gesellschaft gebe. Es sei sogar eine "Doppelbödigkeit", wenn diese Frage von sogenannten Prominenten thematisiert werde, die ihre Kinder aber ohne zu zögern in katholische Schulen geben.
Leicht ins Schwimmen kam Gehring beim Thema Homosexualität. Er wich bei der Frage aus, ob er die Meinung teile, dass Homosexualität eine Krankheit sei. Zugleich legte er sich aber fest, dass Schwule keinesfalls als Menschen zweiter Klasse behandelt werden dürften. Allerdings will Gehring, dass "die umfassende gesetzliche Privilegierung der Familie erhalten bleibt". In der Forderung nach Gleichstellung der Ehe mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sieht er ein "Scheinbedürfnis". Klar ist, dass Gehring ohne jeden Kompromiss für die Abschaffung der Fristenlösung eintritt.
Auffallend die Kritik am amtierenden Bundespräsidenten Heinz Fischer, der sich dem "Primat der Parteitaktik" unterworfen habe. Wegen der Weigerung Fischers, mit seinen Herausforderern im Fernsehen zu diskutieren, sei der Amtsinhaber eine Person, "die nicht für jeden Bürger da ist".
Nächster Salon: Mit Barbara Rosenkranz im Kunsthaus Graz, Samstag, 17. April, um 10.30 Uhr.















