Gewinnspiel-Falle: Experten schlagen Alarm
Die Belästigung durch Telefonkeiler hat in Österreich in den vergangenen Wochen zugenommen, warnen Konsumentenschützer. Wie die Gewinnspiel-Masche am Telefon funktioniert und warum vor allem ältere Menschen beliebte Opfer sind.

Foto © Andy Dean - Fotolia.comTelefonkeiler haben es vor allem auf die ältere Generation abgesehen
Das Telefon läutet, nicht nur einmal am Tag. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine freundliche Stimme, oft mit deutschem Akzent. "Sie haben gewonnen", heißt es meistens. Was zum großen Glück fehlt, ist lediglich die Bestätigung der eigenen Daten – ein einfaches "Ja". Wenn möglich, ein zweites, ein drittes – und natürlich die Kontonummer. Und dann schnappt sie zu, die Gewinnspiel-Falle am Telefon.
Konsumentenschützer warnen vor "neuer Welle"
Fakten
Beliebter Vorwand der Telefonkeiler auf der Jagd nach Kontonummern ist auch die angebliche Verlängerung oder Kündigung eines bereits bestehenden Gewinnspielvertrags.
In den vergangenen Wochen häuften sich bei der Arbeiterkammer Beschwerden über belästigende Werbeanrufe, die oft zu einem ungewollten teuren Vertragsabschluss führen. "Man kann von einer neuen Welle sprechen. Die Telefonkeiler werden in letzter Zeit wieder aktiver", warnt Susanne Kalensky, Konsumentenschützerin der Arbeiterkammer, im Gespräch mit der Kleinen Zeitung DIGITAL vor der Gewinnspiel-Falle. In Kärnten verzeichne man zwischen 100 und 150 Anfragen bzw. Beschwerden im Monat, österreichweit sind es rund 1000.
"Seit Ende 2009 bemerken wir einen deutlichen bundesweiten Anstieg an Anzeigen, die Werbeanrufe betreffen", bestätigt auch Nikolaus Koller von der Fernmeldebehörde in Wien, die den Nummern auf den Grund geht. Bei der Arbeiterkammer Steiermark trudeln laut Konsumentenschützerin Brigitte Schrittwieser "täglich zwei bis drei Beschwerden" ein. Von einem "besonderen Anstieg" merke man derzeit aber nichts.
Kurzes Telefonat, langwierige Folgen
"Austria Gewinn" oder "Lottoverbund" heißen die Keilerfirmen, die nur am Telefon existieren und ständig ihre Namen wechseln. Ihre Masche ist meistens dieselbe, die Opfer auch – nämlich ältere Menschen. "Die Firmen rufen, im Regelfall mit unterdrückter Rufnummer, bewusst Festnetznummern an, um vor allem ältere Leute zu ködern", warnt Kalensky. Besonders dreist: Telefonbücher werden extra nach Vornamen, die auf die ältere Generation hindeuten, durchsucht. "Die Anrufer sind perfekt geschult, reden meistens sehr schnell, undeutlich und bestimmt. Ältere Menschen haben leider oft Hemmungen, 'nein' zu sagen oder gleich aufzulegen und geben deshalb auch ihre Kontonummer eher an", sagt Kalensky.
Kein Einzelfall
Das böse Erwachen kommt spätestens dann, wenn sich die Keilerfirmen fleißig an den Konten ihrer Opfer bedienen – auch ohne schriftlichen Vertragsabschluss. Im Schnitt werden zwischen 50 und 100 Euro im Monat abgebucht. Das Problem: Die Betroffenen merken das oft erst nach Monaten. "Für einen Vertragsrücktritt ist es dann meistens schon zu spät und es ist nur noch eine Kündigung möglich, die weitere Kosten verursacht", so Kalensky.
Aus virtuell wird real
Den Keilerprofis ihr schmutziges Handwerk zu legen, wird für die Behörden zum schier endlosen Unterfangen. Welche Scheinfirmen wirklich dahinter stecken, sei nur schwer zu eruieren, sagen die Experten. Die Anrufe stammen meistens aus einem Callcenter mit unbekanntem Standort. Kopfzerbrechen bereiten neben technischen Raffinessen auch fehlende Rechtsgrundlagen: "Angezeigte Rufnummern können heutzutage problemlos manipuliert werden. Außerdem sind uns bei der Rückverfolgung oft die Hände gebunden, da andere Länder nicht verpflichtet sind, uns Daten weiterzugeben", erklärt Nikolaus Koller von der Fernmeldebehörde.
Werden die Telefonkeiler doch erwischt, geht das Spiel oft von vorne los: nur vor der Wohnungstüre. "Wird ein Verfahren gegen ein Unternehmen gestartet, verlagert sich die Keilerei oft direkt vor die Haustüre", warnt Kalensky von der Arbeiterkammer. Die Lösung: Türe zu und Hörer auflegen.
Features
Experten-Tipps
Reagieren Sie nicht auf telefonische Angebote und geben Sie keinesfalls persönliche Daten bzw. Kontonummer bekannt. Lassen Sie sich am besten auf gar kein Gespräch mit einem unerbetenen Anrufer ein, sondern legen gleich auf.
Telefonkeilerei
Was können Sie tun?
- Telefonnummer des Keilers notieren (falls nicht unterdrückt)
- Beschwerde bei der Arbeiterkammer einreichen: Konsumentenschutz-Hotline für Kärnten (Tel.: 050 477-2000) und für die Steiermark (Tel.: 057799-2555)
- Anzeige beim Fernmeldebüro für Steiermark und Kärnten (Marburger Kai 43-45, 8010 Graz)













