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Zuletzt aktualisiert: 09.04.2010 um 05:00 UhrKommentare

Wenzl und Warta nehmen Abschied von Graz

Scheiden tut weh: Mit der Premiere von "Verbrennungen" nehmen Andrea Wenzl und Dominik Warta Abschied von Graz. Ein Gespräch über Glück, Wehmut und Bühnen-Nomadentum.

Sag' beim Abschied leise Servus - Wenzl und Dominik Warta (hier mit Tochter Marie) wechseln ans Wiener Burgtheater

Foto © Erwin ScheriauSag' beim Abschied leise Servus - Wenzl und Dominik Warta (hier mit Tochter Marie) wechseln ans Wiener Burgtheater

Frau Wenzl, Herr Warta, die Saison dauert zwar noch einige Monate, aber morgen steht für Sie beide die letzte Premiere im Grazer Schauspielhaus auf dem Programm. Wie viel Wehmut schwingt da mit?

ANDREA WENZL: Ach, an den Abschied mag ich noch gar nicht denken! Aber es gehört ganz sicher zu unserem Beruf dazu, irgendwann weiterzuziehen. Leicht fällt es sicher nicht.

DOMINIK WARTA: Eigentlich nehme ich ja still und in Etappen schon länger Abschied. Andererseits habe ich als gebürtiger Wiener natürlich immer auch gehofft, in meine Heimatstadt zurückkehren zu können. Und jetzt hat sich das durch ein wunderbares Engagement ergeben, wir wechseln gemeinsam an das Wiener Volkstheater, ein Glücksfall, der nur selten vorkommt.

Sie sind ja auch privat seit geraumer Zeit liiert und haben eine gemeinsame Tochter. Sie standen in Graz oft gemeinsam auf der Bühne, das wird sicher auch in Zukunft der Fall sein. Bringt das nicht auch Probleme mit sich?

WENZL: Also, ich hatte nie ein Problem damit und glaube sehr, dass das so bleiben wird.

WARTA: Ich sehe das genauso. Sicher, es gibt fast keine Lebenssphäre, die wir nicht gemeinsam verbringen. Aber wir reden ja auch privat sehr gern über das Theater, über die aktuellen Stücke, über die Schauspielerei. Und wenn wir gemeinsam auftreten, liegt das nicht in unserer Macht, über die jeweilige Besetzung entscheidet ja die Theaterleitung.

Steht die erste Wiener Produktion schon fest?

WARTA: Ja. Aber darüber dürfen wir bis zur Spielplan-Präsentation nichts verraten.

Zurück nach Graz: Die letzte Premiere für Sie beide rückt rasch näher, ab morgen steht das international viel gelobte Stück "Verbrennungen" auf dem Programm. Es ist ein sehr komplexes, dramatisches Werk über Krieg, Flucht, das Pendeln zwischen Ost und West. Worin sehen Sie, ganz persönlich, die Essenz dieser Aufführung?

WENZL: Es geht, sehr intensiv, um Familie, Freundschaft, Krieg, Widerstand und um die Aufgabe oder Pflicht, wichtige Versprechen in einer fast unmöglichen Lage, im Ausnahmezustand, einzuhalten.

WARTA: Für mich besteht die Essenz darin, dass zwei junge Menschen sich auf die Spuren- und Wahrheitssuche machen. Sie wollen, um jeden Preis, mehr erfahren über ihre Familie, ihren Vater, ihre Mutter, auch wenn dieses Wissen sehr weh tun kann. Der Krieg ist dabei nur die Hintergrundkulisse. Es ist eine dramatische und spannende Familiengeschichte, die weit in dunkle Vergangenheit führt. Wie bei einem diffusen See, dessen Wasser sich allmählich aufklärt, heller, durchsichtiger wird.

WENZL: Wobei ich, als Mutter einer sechzehn Monate alten Tochter, enorme Emotionen verspüre, viele Szenen gehen mir auch persönlich unheimlich nahe. Aber auch das halte ich für enorm wichtig, das geht weit über das Schauspielerische hinaus.

Machen wir einen Rückblick. Was waren die schauspielerischen Höhepunkte für Sie in Graz?

WENZL: Da müsste ich viele nennen, ich wurde ja direkt von der Schauspielschule weg engagiert. "Das Schloss" natürlich, also die erste Arbeit mit Viktor Bodo, dann klarerweise "Alice im Wunderland", "Das ewige Leben" und jetzt ganz sicher auch "Liliom".

WARTA: Sehr spontan fallen mir da der "Reizende Reigen" und "Das weite Land" ein . . .

. . . damals mit einer gewissen Andrea Wenzl in ihrer ersten größeren Rolle . . .

WARTA: . . . Ja, genau. Und aus jüngerer Zeit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" und "Das ewige Leben". Dieses für mich großartige Stück von Wolf Haas spielen wir ja noch einige Zeit.

WENZL: Einen anderen Höhepunkt muss ich noch nennen. Die Reise zum Berliner Theatertreffen mit "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten". Das ist schon eine unglaubliche Sache, für uns und auch für Graz und das Schauspielhaus. Und dann naht der letzte Auftritt - das ist schon jetzt ein Horrorgedanke. Aber es ist wohl wichtig, immer wieder neue Herausforderungen zu suchen, sonst besteht vielleicht doch die Gefahr, eines Tages träge zu werden.

Teilen sie diesen Horror, Herr Warta?

WARTA: Es ist sehr, sehr hart wegzugehen. Das Ensemble ist großartig, die Stimmung im Haus, das Publikum, das so begeistert mitgeht. Wirklich Angst habe ich vor der allerletzten Aufführung, dem berühmten letzten Vorhang. Dann werden wohl auch einige Tränen fließen.

INTERVIEW: WERNER KRAUSE

Andrea Wenzl

Geboren 1979 in Graz. Schauspielausbildung in Wien und Graz.

Seit dem Jahr 2002 Ensemblemitglied des Schauspielhauses Graz.

2008 Nominierung für den Nestroy-Preis als "Alice im Wunderland".

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Foto © Erwin Scheriau

Bild vergrößernAndrea Wenzl: "Es gehört ganz sicher zu unserem Beruf dazu, irgendwann weiterzuziehen"Foto © Erwin Scheriau

Dominik Warta

Geboren 1969 in Wien. Nach der Schauspielschule Engagements am Volkstheater, in Darmstadt und in Heidelberg.

Seit dem Jahr 2000 als vielseitiger Charakterdarsteller am Grazer Schauspielhaus tätig.

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Foto © Erwin Scheriau

Bild vergrößernDominik Warte freut sich auf das Engagement in seiner Heimatstadt Wien Foto © Erwin Scheriau

Das Stück

"Verbrennungen" von Wajdi Mouawad, der im Libanon geboren wurde und heute in Kanada lebt, wurde 2003 uraufgeführt und mehrfach preisgekrönt. Es schildert die Odyssee der Zwillinge Jeanne und Simon, die auf testamentarischen Wunsch ihrer Mutter zwei Briefe übergeben sollen - an den tot geglaubten Vater und an einen Bruder, von dessen Existenz die beiden nichts wussten. Eine gefährliche Spurensuche beginnt, am Rande des Libanonkriegs, am Rande einer westlichen Großstadt. Premiere: morgen, 19.30 Uhr. Schauspielhaus Graz, Karten: Tel. (0 31 6) 80 00,

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