Fettsucht: Insulin könnte verantwortlich sein
Forscher der Medizinischen Universität Graz beobachteten in ihrer jüngsten Studie übergewichtige Jugendliche und normalgewichtige Altersgenossen.

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Optische Nahrungsreize lösen bei Übergewichtigen besonders starke Reaktionen in einem Hirnareal mit einer hohen Dichte von Insulinrezeptoren aus. Insulin könnte also mit eine Ursache für die Entstehung von Fettsucht sein. Diese Entdeckung machten Forscher der Medizinischen Universität Graz in ihrer jüngsten Studie an übergewichtigen Jugendlichen und normalgewichtigen Altersgenossen. Die Ergebnisse wurden jüngst im Forschungsjournal "Obesity" publiziert.
Aktivitätsmuster
Die im Vergleich zu normalgewichtigen Teenagern abweichenden Aktivitätsmuster könnten möglicherweise für suchtartiges Essverhalten verantwortlich sein, so Harald Mangge, der seit 2003 im Rahmen des vom "Zukunftsfonds Steiermark" geförderten Projekts "Styrian Juvenile Obesity Study" übergewichtige junge Menschen untersucht. Während Suchtverhalten bisher primär mit Botenstoffen wie Dopamin in Zusammenhang gebracht wurde, scheint bei der Hippocampusaktivierung offenbar Insulin eine entscheidende Rolle zu spielen. Die Forscher am Grazer Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik und dem Department für Radiologie zeigten den rund zwei Dutzend Probanden während einer Kernspintomographie (MRI) Fotos mit hochkalorischen Nahrungsmittel wie z. B. Pizza mit Schmelzkäse - und niederkalorischen Nahrungsmitteln wie Gemüse sowie neutralen Inhalten. Dabei wurde die neuronale Aktivität im Gehirn gemessen, wobei besonderes Augenmerk auf Hirnzentren gelegt wurde, die mit Suchtverhalten in Verbindung gebracht werden.
Die Auswertung zeigte, dass die fettsüchtigen Jugendlichen neuronal anders auf die Nahrungsreize reagierten: Je höher der Nüchterninsulinspiegel war, umso stärker zeigte sich nach Stimulation mit Bildern von kalorienreicher Nahrung eine Aktivität im Bereich des Hippocampus - ein Hirnzentrum, das u.a. für die Speicherung von Gedächtnisinhalten zuständig ist. Besonders deutlich waren die Ergebnisse bei Personen mit vermehrtem Bauchfett. Die Forscher erklären sich das damit, dass Personen mit vermehrtem Bauchfett besonders stark zu einer beginnenden Insulinresistenz neigen, die durch eine verstärkte Insulinproduktion ausgeglichen werden muss. Dazu passt, dass die Konzentration von Insulinrezeptoren im Hippocampus besonders dicht ist. "Insulin scheint die Speicherung von hochkalorischen Nahrungsreizen solcherart zu beeinflussen, dass bei neuerlicher visueller Stimulation ein besonders starker Reiz ausgeübt wird. Dies kann zu suchtartigen Essverhalten von vor allem stark fett- und zuckerhaltigen Nahrungsmittel führen", so Mangge.

















