Die Tage des strengen Fastens
Zwei Drittel nehmen den Gründonnerstag als strengen Fasttag ernst. Und die strengsten Faster essen das erste Fleisch erst Sonntag früh.

Foto © FuchsNach der Fleischweihe beenden die meisten mit Schinken, Eiern und Osterbrot die 40-tägige Abstinenz offiziell
Zu Hause ist Bundespräsident Heinz Fischer für das Frühstück verantwortlich, verriet Gattin Margit am Mittwoch beim Besuch in der Obersteiermark. Eier isst er dabei besonders gern, erklärt er selbst. Wie aber hält es der bekennende Atheist mit dem Fasten? "Zwischendurch machen wir ein paar Fasttage, aber nicht aus religiösen Gründen."
Damit ist Fischer wohl nicht allein. "Das Fleischfasten ist insgesamt leider zurückgegangen", sagt Karl Veitschegger, Experte der Diözese Graz-Seckau. Er selbst habe es auch "nicht ganz konsequent durchgehalten", sagt er nach (fast) 40 Tagen Fastenzeit. Streng geregelt für katholische Christen sind der Aschermittwoch und der Karfreitag. Außer dem Verzicht auf Fleisch gilt am Karfreitag für alle Erwachsenen bis zum Beginn ihres 60. Lebensjahres, dass sie sich nur einmal satt essen dürfen. Dafür sind Flüssigkeiten aller Art erlaubt, auch Alkohol. Immerhin zwei Drittel der Bevölkerung streichen am Karfreitag Fleisch vom Speiseplan, besagt eine Umfrage des Instituts Marketagent.com.
Am Gründonnerstag und am Karsamstag wurde das Fasten dagegen nie so streng gehandhabt. Nach der Fleischweihe - die Segnung der Osterspeisen kann bis ins siebente Jahrhundert zurückverfolgt werden - beenden die meisten mit Schinken, Eiern und Osterbrot die 40-tägige Abstinenz offiziell. Die Segnung ist ein Höhepunkt im Kirchenjahr, laut Diözese nehmen in der Steiermark rund 250.000 Menschen daran teil. "Am Karsamstag werden Kirchen mehrmals am Tag voll", freut sich Veitschegger.
Fasten bis Sonntag
Doch nicht für alle ist der Segen am Samstagnachmittag schon das Ende der Fastenzeit. Auch nicht für Veitschegger, der im Mürztal geboren wurde und einen Brauch aus seiner Kindheit bis heute lebt. "Mit meiner Familie besuche ich die Auferstehungsfeier am Abend, erst danach kommen wir gegen 23 Uhr nach Hause zur Jause. Es ist nicht gesund, aber so machen wir es."
Nach christlichem Brauch ist am Karsamstag noch Grabesruhe, erst in der Nacht auf den Sonntag verwandelt sich die Trauer in Freude. Seit der Neuordnung der Karwoche Mitte der 1950er-Jahre wird der wichtigste Gottesdienst des Jahres wieder in der Nacht gefeiert; daher das Fastenbrechen zu so später Stunde. Es gibt aber Beispiele, wo noch länger zugewartet wird. Im bäuerlichen Bereich lässt sich nach wie vor beobachten, dass das erste Fleisch erst am Sonntag in der Früh verspeist wird.

















