Rektoren-Vorsitzender: "Karl soll Ziele vorgeben"
Hans Sünkel, Vorsitzender der österreichischen Rektoren, verteidigt den Ausstieg aus dem Hochschuldialog. Das Bologna-Debakel lässt er sich nicht von der Ministerin umhängen.

Foto © BauerHans Sünkel: "Warum nicht freier Zugang an Fachhochschulen?"
Die Rektoren, deren Vorsitzender Sie sind, haben den Hochschuldialog verlassen. Warum jetzt dieser Schritt?
HANS SÜNKEL: Wir verweigern uns nicht dem Gespräch. Aber wegen der anstehenden Probleme glauben wir, dass es dringendst notwendig ist, Lösungen zu erarbeiten. Und zwar rasch.
Musste man nicht schon im November, als der Hochschuldialog begonnen wurde, annehmen, dass es sich um ein Projekt für den Sankt-Nimmerleins-Tag handelt?
SÜNKEL: Nein, das muss ich in Abrede stellen. Ich habe immer gesagt, dass ich hohe Erwartungen habe, wenn der Dialog zielgerichtet verläuft. Dass das Riesengremium von 50 Personen nicht entscheidungsbefugt ist, war klar. Aber es kann nicht sein, dass man sechs Monate nur diskutiert. Mit dem Wechsel von Minister Hahn zu Karl wäre der Zeitpunkt gewesen, Ziele zu definieren. Meine Meinung war: Das eine tun, das andere nicht lassen. Aber die Abstimmung in der Universitätenkonferenz war eine andere.
Ist der Austritt aus dem Dialog nicht die massive Aufforderung an die neue Ministerin, endlich etwas zu tun?
SÜNKEL: Ich möchte die Ministerin, die nicht einmal die ersten 100 Tage hinter sich hat, in keinster Weise anschwärzen. Der Dialog war die Antwort auf den Studentenprotest, zum Dampfablassen. Aber der Dampf kann nicht sechs Monate abgelassen werden. Derzeit gibt es keine Strategie und keinen Hochschulplan. Die Ministerin sollte Ziele vorgeben, das wäre notwendig.
Tragen jetzt die Rektoren nicht die gesamte Bildungsdiskussion zu Grabe, die im Herbst endlich entstanden ist?
SÜNKEL: Die Gefahr sehe ich nicht. Neben der Dialogveranstaltung gibt es auch andere Instrumentarien. Wir haben jetzt und hier die Probleme, und wir können nicht warten, bis Empfehlungen des Dialogs irgendwann in irgendetwas einfließen.
Es wird kritisiert, dass ein Steirer - Sie - der anderen Steirerin nicht wehtut. In Wien spricht man von der "Steirer-Mafia".
SÜNKEL: Die Positionen der Universitäten sind unterschiedlich, das hat die Abstimmung gezeigt. Es stimmt, ich habe mich mit Kritik zurückgehalten.
Die Ministerin hat Unverständnis gezeigt und den Unis vorgeworfen, sie hätten "verkrustete Strukturen" und hätten den Bologna-Prozess selbst vermasselt.
SÜNKEL: Mag sein, dass es in tiefster Vergangenheit "verkrustete Strukturen" gab. Das ist ja heute völlig anders. Bei Bologna muss ich den Ball zurückschießen. Wir sind verdonnert worden, binnen kürzester Zeit das Bologna-Projekt umzusetzen. Da passieren Unzulänglichkeiten und Fehler. Parallel haben wir die Unis umbauen müssen in Richtung Autonomie. Und das alles ohne Unterstützung. Den Schwarzen Peter den Universitäten zuzuschieben, finde ich ein starkes Stück.
Und bei den Zugangsbeschränkungen?
SÜNKEL: Es gibt im tertiären System geregelten und ungeregelten Zugang. Da ist ein Wildwuchs entstanden. Wir brauchen einheitliche Regeln. Und da frage ich provokant: Wie wäre es denn, wenn wir den Fachhochschulen den freien Zugang aufoktroyieren würden, und die Unis hätten einen eingeschränkten Zugang?
Worüber werden also die Rektoren in der nächsten Zeit auf eigene Faust nachdenken?
SÜNKEL: Wir werden unsere Roadmap zur Finanzsituation weiterentwickeln, uns über Zugangsregelungen Gedanken machen und Lösungsvorschläge dann der Öffentlichkeit präsentieren.
Features
ZUR PERSON
Hans Sünkel wurde im Dezember zum Vorsitzenden der österreichischen Universitätenkonferenz ("Rektorenkonferenz") gewählt und vertritt 21 Unis.
Der gebürtige Obersteirer ist Professor für Geodäsie und seit 2003 Rektor der TU Graz.
Zuletzt kündigte die Universitätenkonferenz die Teilnahme am Hochschuldialog auf.
















