Plumpe Komödie ohne Tiefe
In der Grazer Oper überdreht Josef E. Köpplinger den Komödienmotor in Mozarts "Le nozze di Figaro".

Foto © Bauer
Schon während der Ouvertüre, die Dirigent Tecwyn Evans im gängigen, aber dennoch unangemessenen Rossini-Brio abspult, setzt auf der Bühne ein hektisches Versteckspiel ein. Während Susanna und Figaro eng umschlungen im Bett schlummern, schleichen Cherubino, Basilio und der Graf durch das Schlafzimmer des Brautpaares und versuchen jeweils, sich vor den Blicken der anderen Eindringlinge zu verbergen.
Regisseur Josef E. Köpplinger treibt es bunt. Seine Neuinszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts "Hochzeit des Figaro" für die Grazer Oper, die er an das von ihm geleitete Stadttheater Klagenfurt übernehmen wird, sucht die pralle Komödie, scheut nicht den Klamauk und vermag dennoch kaum zu amüsieren.
Maßlose Übertreibung
Einmal mehr erliegt der Regisseur der Versuchung, zu übertreiben. Der Running Gag, dass sich der Kühlschrank, in dem sich alle bedienen wollen, nur nach einem Fußtritt öffnen lässt, enerviert allmählich ebenso wie die plumpen Handgreiflichkeiten, mit der die Protagonisten ihren sexuellen Begierden frönen.
Einmal mehr kann Köpplinger auch der Versuchung nicht widerstehen, die Handlung in eine andere Zeit zu verlegen. Im heruntergekommenen Schloss, das ihm Johannes Leiacker entworfen hat, verfügen die Diener über einen Radio und einen Kühlschrank. Wie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und trotz des vorehelichen Sexlebens des Brautpaars das feudale Recht der ersten Nacht Bedeutung haben kann, bleibt ebenso offen, warum der vierte Akt im Zuschauerraum des halb verfallenen Schlosstheaters spielen muss, der kaum die unerlässlichen Versteckmöglichkeiten bietet.
Weichspüler
Zur seichten Komödie traktieren Tecwyn Evans und die Grazer Philharmoniker Mozarts Partitur mit dem Weichspüler, bis sich die Musik wie ein Teig zieht.
Alik Abdukayumov singt den Figaro mit dunklem, kraftvollen, zur Kraftmeierei neigenden Bariton, während Igor Gnidii seine hellere Stimme kultivierter führt. Margareta Klobuar dominiert als resche Susanna das vokale Niveau, Gal James lässt als Gräfin ihren Sopran erst in der zweiten Arie aufblühen. Christina Daletska debütiert mit flachem Mezzo als Cherubin. Marcellina (Fran Lubahn) und Basilio (Manuel von Senden) dürfen ihre Arien im vierten Akt nicht singen.
Features
Fakten
"Le nozze di Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart.
Inszenierung: Josef Ernst Köpplinger.
Dirigent: Tecwyn Evans.
Aufführungen in der Grazer Oper: 23., 28. (15 Uhr) und 31. März; 10., 15., 18. (15 Uhr), 22. und 28. April; 5., 7., 21. und 23. (18 Uhr) Mai; 5. und 12. Juni, jeweils 19 bis 22.15 Uhr.
Karten: Tel. (0 31 6) 80 00.
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