Schadenersatz: Disco vor dem Kadi
Einem Türken und seiner österreichischen Frau wurde der Eintritt in Grazer Disco verwehrt - sie klagen nun auf Schadenersatz. Seitens des Disco-Betreibers war niemand zu einer Stellungnahme bereit.

Foto © David Bauer/Sujet
Ein Gerichtsurteil in St. Pölten sorgt für Unruhe in der Disco-Szene: Erstmals musste ein Disco-Betreiber Schadenersatz zahlen, weil er einen jungen St. Pöltener aufgrund seiner Herkunft nicht ins Lokal ließ - 1440 Euro lautete das Urteil.
Auch in Graz ist so ein Fall gerichtsanhängig. Die Familie B. wollte in der Disco "Fledermaus" einen entspannten Abend verbringen, geworden ist daraus aber nichts. Die Türsteher verweigerten dem Türken B. und seiner österreichischen Frau den Einlass. "Nachdem uns das schon öfter passiert ist, ist uns diesmal der Kragen geplatzt", erzählt Frau B. Sie wandten sich an "Helping Hands" und die Gleichbehandlungskommission in Wien.
Es war im November 2008. Gegen Mitternacht wollte das Ehepaar das Lokal betreten, aber zwei Türsteher verlangten den Ausweis des Mannes - ohne Reisepass kein Zutritt. Das Paar fuhr nach Hause und kam 20 Minuten später mit dem Pass des türkischen Mannes zurück. Aber auch der reichte den Türstehern dann nicht. "Wir suchen uns unsere Gäste selber aus", sollen sie gesagt haben.
Diskriminierung
Die Gleichbehandlungskommission hat klar entschieden, dass sowohl der Türke B. als auch seine österreichische Frau diskriminiert wurden. Mit diesem Urteil in der Hand zog die Familie B. schließlich vor das Zivilgericht und klagte auf Schadenersatz. Das Verfahren läuft noch.
Daniela Grabovac von "Helping Hands" weiß, dass es sich bei der Familie B. um keinen Einzelfall handelt. "Vielmehr steht es nach wie vor an der Tagesordnung, dass Menschen mit Migrationshintergrund der Disco-Eintritt verweigert wird. Nur die Ausreden sind mittlerweile besser geworden, der Beweis wird immer schwerer." Allein im Jahr 2009 hat sie rund 50 Beschwerden gesammelt, "aber viele melden sich ja gar nicht bei uns."
Seitens des Disco-Betreibers "Fledermaus" war niemand zu einer Stellungnahme bereit.
















