Ein echter Gewinner geht nicht unter
Diagnose nicht erst zum Start der Diagonale: Der heimische Film erlebt derzeit Höhenflüge. Und der Politik sind die Hände gebunden. Vor lauter Klatschen.

Foto © FilmladenStefan Ruzowitzkys "Fälscher" wurde oskarprämiert
"Verdammt, wir leben noch!", betitelte die Filmwirtschaft augenzwinkernd ihren Jahresbericht für 2009. "Ein echter Winner geht nicht unter!", möchte man aufbauend zurückrufen. Denn Gewinner sieht man in letzter Zeit allerorten: zum einen die Kinobetreiber, die sich über ein Traumergebnis mit 18,4 Millionen Besucher im Vorjahr freuen durften. Zum anderen die heimischen Produktionen, die sowohl qualitativ als auch quantitativ voll punkteten.
Wirklicher Jubel aber kommt in der Branche nicht auf. Denn meist stellen sich ja nach internationalen Erfolgen wie zuletzt in Cannes und Venedig, beim Golden Globe oder beim Oscar die beiden unvermeidlichen Gratulanten Lob und Hudel ganz schnell ein. Taten folgen den Worten allerdings nur hinkend.
Zwar wird das Filmgesetz novelliert, ein Topf zur Rest-Finanzierung von Großprojekten verwirklicht, das Film-Fernseh-Abkommen des ORF aus dem Koma geholt. Aber auch wenn die Filmförderung zwischen 2006 und 2010 von 40 auf 71 Millionen Euro gestiegen ist, monieren Institutionen wie der Regieverband zu Recht "das Fehlen einer substanziellen Aufstockung der Basismittel" und fordern mit Verweis auf Wertschöpfung, Umwegrentabilität und Arbeitsplatzschaffung nachhaltigere Investitionen.
Man muss nicht gleich, wie Robert Dornhelm noch im Oscar-Fieber, den amerikanischen Traum von der "Verzehnfachung der Förderung" träumen. Aber der Regisseur hat insofern recht, als dass die Politik nicht mit Kosmetik wedeln soll, will sie von Filmindustrie sprechen.
Laut einer Studie ist die Kreativwirtschaft nach Maschinenbau und Autoindustrie die drittgrößte Branche der deutschen Wirtschaft. In Österreich wohl kaum anders, und dabei nehmen Kino- und TV-Produktionen einen gewichtigen Platz ein. Film hat als kulturelles Leitmedium einen zunehmend hohen Wirtschaftsfaktor, den die Politik auch durch Augenbinden erkennen sollte. Wie sagte doch Götz Spielmann unlängst so richtig? "Schön langsam kann man aufhören, von Trends und Siegeszügen des heimischen Films zu sprechen. Man soll einfach sehen, dass in Österreich ungeheuerliche Qualität stattfindet."
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Internationale Auszeichnungen 09/10
2007 Stefan Ruzowitzkys "Fälscher" (siegreich), 2008 Götz Spielmanns "Revanche", 2009 Michael Hanekes "Weißes Band " (für Deutschland) im Rennen um den Auslands-Oscar: Ein echter Erfolgslauf in Hollywood, den Christoph Waltz (Foto) mit dem Nebenrollen-Oscar für "Inglourious Basterds" heuer krönte.
Internationale Auszeichnungen 09/10
Arash T. Riahi (Foto) gewann mit dem Flüchtlingsdrama "Ein Augenblick Freiheit" bisher zehn Preise, es wurde von Österreich auch für den Auslands-Oscar nominiert. "Women Without Men" der US-Iranerin Shirin Neshat (koproduziert von coop99 /Kamera: Martin Gschlacht ) erhielt in Venedig den Regiepreis.
Internationale Auszeichnungen 09/10
Jessica Hausner (Foto) ergatterte mit ihrem dichten Pilgerdrama "Lourdes" sieben große Preise, davon vier in Venedig. Die in Berlin lebende Judenburgerin Elfi Mikesch (70) erhielt für ihre Kamera- und Filmarbeiten kürzlich den renommierten Murnau-Preis, Senta Berger für "Schlaflos" den Deutschen Fernsehpreis.
Internationale Auszeichnungen 09/10
Tizzia Covi und Rainer Frimmel wurden für den Spielfilm "La Pivellina" über ein kleines Mädchen in einer Wohnwagensiedlung mit 16 Auszeichnungen überhäuft. Weiters u. a. Bremer Filmpreis an Ulrich Seidl , Grimme-TV-Preis und Neuberg-Preis für Nikolaus Leytners "Ein halbes Leben" mit Josef Hader (Deutscher Fernsehpreis).
















