Cold Case: Die Spurensuche geht weiter
Bundeskriminalamt baut Cold Case-Management aus: Experten sollen das Verschwinden der Niederösterreicherin Julia Kührer klären. Ein Grazer Fall konnte schon gelöst werden.

Foto © PolizeiSpurlos verschwunden: Julia Kührer (Niederösterreich) und der Steirer Hubert Schmied. In beiden Fällen ist ein Verbrechen nicht auszuschließen
Julia Kührer war 16 Jahre alt, als sie spurlos verschwand. Sie kam mit dem Linienbus aus Horn und stieg auf dem Hauptplatz in Purkau (Bezirk Hollabrunn, Niederösterreich) aus. Nur wenige Minuten Fußmarsch - und sie wäre zu Hause gewesen. Doch dort kam sie nicht an. Die Schülerin wurde seit dem frühen Nachmittag des 27. Juni 2006 nicht mehr gesehen.
Die Hinweise, dass Julia Kührer Opfer eines Verbrechens wurde, verdichten sich. Beweise konnten dafür bisher aber keine gefunden werden. Deshalb wird jetzt der Fall neu aufgerollt.
Verstärktes Team
Das Bundeskriminalamt baut nun sein Cold Case-Management weiter aus. Das Team wird künftig von Mitgliedern der inzwischen aufgelösten Kampusch-Sonderkommission und zwei Kriminalpsychologinnen verstärkt. "Auch unsere Zielfahndung wird eingebunden", sagt BK-Pressesprecher, Oberst Helmut Greiner. "Die Zielfahnder suchen Straftäter, warum sollen sie nicht auch nach Abgängigen suchen." Absolute Brisanz habe der Fall Julia Kührer, so Greiner.
Das Cold Case-Management wurde vor etwa zwei Jahren ins Leben gerufen und wird in Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern betrieben. "Alte Fälle werden von Beamten neu aufgerollt, die ursprünglich mit den Ermittlungen nicht befasst waren", erklärt Oberstleutnant Erwin Strametz vom steirischen Landeskriminalamt die Vorgangsweise. Die LKA-Fahndungsgruppe definierte bereits im Februar 2008 drei Abgängigkeitsfälle als so genannte Cold Case-Fälle. Zwei sind mittlerweile geklärt, einer davon durch Cold Case-Ermittlungen.
Die Albanerin Syzane H. (25) verschwand im November 2005 aus ihrer Grazer Wohnung. Jahrelang gab es von ihr nicht die geringste Spur. Erst die Cold Case-Ermittler - Beamte der LKA-Fahndungsgruppe - konnten den Fall jetzt, nach zwei Jahren intensiver Recherchen, aufklären. "Die Frau lebt in ihrer Heimat. Sie hat sich scheiden lassen und einen anderen Mann geheiratet", erzählt Strametz. "Weil sie einen anderen Namen angenommen hatte, war es so schwierig, ihre Spur zu finden."
Selbstmord
Das Verschwinden des 47-jährigen Franz K. im August 2006 konnte durch die neuerlichen Ermittlungen zwar nicht geklärt werden, der Fall ist mittlerweile aber gelöst. Der Grazer hatte in einem Wald Selbstmord begangen. Seine Überreste wurden 2009 zufällig gefunden.
Nach wie vor ungewiss ist das Schicksal des obersteirischen Gastwirtes Hubert Schmied (43). Der Betreiber des Campingstüberls in Seebach, Aflenz-Land im Bezirk Bruck an der Mur, wurde am 17. Oktober 2003, gegen 8.15 Uhr, zuletzt gesehen. Seither fehlt von ihm jede Spur. Auch sein Auto, sein Reisepass und die Fahrzeugpapiere sind verschwunden. In der Unterkunft des Obersteirers fanden die Kriminalbeamten einen hohen Geldbetrag. "Wenn der Wirt untergetaucht wäre, hätte er das Geld wohl mitgenommen", so die Fahnder. Strametz: "In diesen Fall sind wir überhaupt nicht weitergekommen. Es gibt keine Hinweise, keine Geldbewegungen, nichts."

















