Bier, Kokain und ein Schuss in die Hüfte
Das Gericht verhandelte die Folgen einer durchzechten Nacht im Grazer Griesviertel. Der Angeklagte fühlt sich in keiner Weise schuldig und erklärte, Schuss habe sich von selbst gelöst. 21-Jähriger zu vier Jahren Haft verurteilt

Foto © Helmut Weichselbraun/Sujet
Geboren in der Dominikanischen Republik, Österreicher, 21 Jahre alt, sechs Vorstrafen. Das ist die Kurzbiografie des Mannes mit dem Vornamen Melky, Spitzname Goldo, derzeit in Strafhaft. Jetzt droht ihm eine Verurteilung wegen illegalen Waffenbesitzes, schwerer Nötigung und Mordversuchs. Strafrahmen fünf bis zehn Jahre, "da der Angeklagte zur Tatzeit noch nicht 21 war und als junger Erwachsener gilt", klärt die Staatsanwältin die Geschworenen auf. Der Prozess zieht sich in die Länge. Außer der Tatsache, dass nach einer durchzechten Nacht in einem Lokal am Grazer Griesplatz Goldos Rivale Sergio in die Hüfte geschossen wurde und Goldo dabei die Hand an der Pistole gehabt hatte, ist alles strittig. Der Schuss sei ein Unfall gewesen, behauptet der Angeklagte und kämpft dabei mit seinen Gedächtnislücken. 15 kleine Biere, fünf Gramm Cannabis und ein Gramm Kokain will er in jener Nacht im April 2009 konsumiert haben. "Ich war sehr alkoholisiert." - "Laut Blutalkoholtest waren Sie das nicht", korrigiert ihn Vorsitzender Christoph Lichtenberg. Nach der Befragung des Beschuldigten stellt er genervt fest: "Das ist nun Ihre mittlerweile vierte Tatversion."
Sergio, das Opfer, bleibt dabei: "Er ist zu mir gekommen, zeigt mir die Pistole, drückt sie seitlich in die Hüfte und fragt ,Willst du, dass ich schieße?'." - "Lass das", habe er geantwortet. Dann, als Goldo nicht abließ, habe er gesagt: "Einmal sterbe ich sowieso, also mach, was du willst." Da fiel der Schuss, Goldo stand auf und stürzte auf die Toilette, um die Pistole zu verstecken.
Kein Mordversuch, sondern absichtlich schwere Körperverletzung, befinden die Laienrichter. Vier Jahre Haft für Goldo (nicht rechtskräftig). Und schlagartige Ernüchterung.
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