Internationale Bell-etristik
In Graz trifft sich bei der "Internationalen Rassehundeschau" alles, was Rang, Namen - und einen Stammbaum hat.
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Doktor Dolittle hätte ob der geballten bellenden Kundschaft einen ordentlichen Kater bekommen. Rund 2500 Hunde aus insgesamt 23 Ländern versammeln sich noch bis Sonntagabend in der Grazer Stadthalle bei der "Internationalen Rassehundeschau". Sozusagen Völkerverständigung in Bell.
Von A wie Affenpinscher - klingt wie ein Schimpfwort, ist es aber nicht - bis Z wie Zwergschnauzer ist bei den insgesamt 280 vertretenen Rassen für jeden Geschmack etwas dabei. Klein, groß, mittel, gezottelt, glatt, geschniegelt, gelockt, kupiert, naturbelassen ... Letzteres waren aber mehr die Besucherhunde, deren Herrchen beim Eingang nicht nur eine Eintrittskarte, sondern auch einen gültigen Impfpass vorweisen mussten. Man will sich ja nix einfangen.
Eine Tatsache, die den 16 Monate alten West Highland White Terrier "Nemo vom Rosaliablick" völlig kaltlässt. Er ist nämlich schon drinnen. Ihm werden gerade mit einem kleinen Kamm die schneeweißen Haare rund um die Schnauze toupiert. Er nimmt die Prozedur mit stoischer Gelassenheit hin. Einen schönen Mann entstellt bekanntlich nix. Nicht einmal so ein bisserl Spray. Die beste Ablenkung: die Besucherhündinnen, die an pinken Leinen vorbeischarwenzeln. Die Hautevolee der Vierbeiner. Auch hier bleibt man gerne unter sich und fetzt sich schon einmal mit einer Mischlingshündin, die man im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen kann. Franz Schön, Nemos Herrchen: "Gestern war er noch schwarz, weil er draußen mit seinen Freunden herumgetobt hat. Ein Hund ist ein Hund. Und er soll dreckig sein und spielen dürfen."
Alles, was der Spitz begehrt
Unterdessen werden Yorkshire Terrier "Tash" einige Meter weiter gerade die Lockenwickler aus dem Fell gedreht, bevor sie mit gerecktem Hals an strammer Leine einige Runden unter dem kritischen Blick der Preisrichter dreht. Und schneller als man "Sitz!" sagen kann, hat sie den Pokal schon in der Tasche.
Selbstverständlich dürfen bei einer Schau wie dieser die wichtigen Utensilien für den Hund von Welt nicht fehlen. Da wären: der Lodenjanker mit Kapuze, das Halsband mit dem Kristall-Namenszug, eine exklusive Nacht im Pfötchenhotel oder die passende Schuluniform zur Leine.
Freilich lassen sich aber auch tierische Freundschaften schließen. Wie zwischen dem irischen Wolfshund "James" und der Chihuahuadame "Kiki". Eine Liebe ohne Zukunft. Das ungleiche Paar trennen 75 Zentimeter und 54 Kilo voneinander. Trotzdem kann man sich ja beschnuppern und langsam Abschied nehmen. Außerdem lebt James ja quasi in einer tierischen Wohngemeinschaft mit vier Golden Retrievern. Und bald kommt jemand Neues dazu. "Ein Mops namens Henry", sagt James' Besitzerin Hannelore Schnittler und strahlt.
So wie jene Hunde, die gerade vor der Eingangstüre Gassi geführt werden. Sie haben es nämlich noch rechtzeitig geschafft. Im Gegensatz zu ihrem Artgenossen, der große Geschäfte ohne Rücksicht auf Verluste oder Zuschauer gleich erledigt haben will. Mitten in der Halle, neben dem Süßigkeitenstand, dessen Besitzer nun in regelmäßigen Abständen schreit: "Vorsicht!"


















