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Zuletzt aktualisiert: 24.02.2010 um 05:33 UhrKommentare

Steirischer Pfarrer missbrauchte Buben

Auch in der Steiermark hat sich ein Opfer von Kindesmissbrauch durch einen Pfarrer gemeldet. Ein Zeuge spricht von mindestens zehn weiteren Opfern in den 70er-Jahren.

Die Opfer des Missbrauchs seien immer Buben gewesen, meist aus sozial schwachen Familien

Foto © AP/SujetDie Opfer des Missbrauchs seien immer Buben gewesen, meist aus sozial schwachen Familien

Den Anstoß gaben die Fälle von Kindesmissbrauch in kirchlichen Einrichtungen in Irland und Deutschland. Jetzt hat auch in der Steiermark ein Opfer das Schweigen gebrochen. Klaus F., heute 46 Jahre alt und Techniker in Leoben, spricht darüber, was ihm in seiner Kindheit in einem kleinen obersteirischen Ort widerfahren ist. Es ist die Geschichte eines massiven sexuellen Missbrauchs durch den örtlichen Pfarrer.

Doch nicht nur er sei in den 70er-Jahren Opfer des Pfarrers gewesen, der an der Hauptschule als Religionslehrer unterrichtete. Er spricht von vielen weiteren Fällen. Das bestätigt ein glaubwürdiger Zeuge aus der Region (Name der Redaktion bekannt). Er weiß von mindestens zehn weiteren Opfern. Immer seien Buben betroffen gewesen, meist aus sozial schwachen Familien.

Der Zeuge möchte anonym bleiben, er fürchtet Repressalien durch jene, die, wie er sagt, "die Geschichte am liebsten ruhen lassen wollen". Der Pfarrer, ein Pater aus dem Stift Admont, kann nicht mehr befragt worden. Er ist inzwischen gestorben. "Der Pfarrer hat die Buben, zehn- bis 14-jährige Hauptschüler, gerne auf eine von ihm gepachtete Almhütte zum Jungscharlager eingeladen", erzählt der Zeuge. Dort sei es zu den sexuellen Übergriffen und Schlägen gekommen. F. sagt rückblickend: "Wenn ich ihn nicht richtig streichelte, schlug er mich." Im Beichtstuhl habe der Pater ihn sogar aufgefordert, zu erzählen, wie er onaniere.

Treffen

Der Abt des Stiftes Admont Bruno Hubl, der damals noch nicht im Amt war, bestätigt, dass es zu jener Zeit Jugendlager auf der gepachteten Alm gab. Er gibt auch an, von den Anschuldigungen gegen den Pater zu wissen, "allerdings hatte ich den Eindruck, dass Herr F. selber nicht betroffen sei, sondern von anderen Betroffenen sprach", sagt Hubl. Er habe, als die Geschichte vor ein paar Jahren aufkam, mit dem Pater gesprochen. "Ich habe aber dabei nur erfahren, dass er sich mit Herrn F. getroffen hat", so Hubl.

Bei diesem Treffen vor etwa drei Jahren habe der Pater, so F., "nichts abgestritten, aber sich mit dem Zölibat gerechtfertigt und damit, dass seine Eltern ihn unter Druck gesetzt hätten, Priester zu werden".

Dass er sexuell missbraucht wurde, wusste er damals als Bub nicht. Doch, so sagt er, auch die Erwachsenen schienen es nicht wissen zu wollen. Der Pfarrer sei eine angesehene Person im Ort gewesen. Einmal sei ihm in kindlicher Naivität bei seiner Mutter etwas herausgerutscht. "So etwas sagt man nicht, Gott hört alles", habe sie nur geantwortet. Dann blieb er still, stets von Furcht getrieben. Darüber zu sprechen sei eine Todsünde, habe der Pfarrer gesagt.

Erst als Erwachsener begann F., sich mit dem Geschehen auseinanderzusetzen, wollte mit anderen Opfern des Pfarrers eine Interessensgemeinschaft bilden, eine Klage anstreben. Sein Fall war bereits verjährt, doch andere waren es nicht. Keiner der Betroffenen wollte mitmachen. "Sie haben noch immer Angst", meint F. Der Zeuge sagt ebenfalls: "Auch anderen wurde Angst gemacht."

Vor ein paar Jahren wandte er sich an die "Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs von kirchlichen Angestellten der Diözese Graz-Seckau". Dort forderte er Schmerzensgeld, eine Million Euro. Für das offizielle Geltendmachen einer finanziellen Entschädigung vor Gericht sei es zu spät gewesen, sagt F.

"Ich habe mit dem Generalvikar gesprochen und wir haben dem Herrn F. gesagt, dass wir kein Schweigegeld zahlen", sagt Birgit Posch-Keller von der Ombudsstelle. Man habe ihm aber eine Psychotherapie angeboten. "Eine Psychotherapie habe ich schon längst selbst gemacht. Ich wollte aber, dass sich das endlich ein Zuständiger anhört", sagt F. dazu. Er habe keine Reaktion mehr bekommen.

"Keine Reaktion"

Posch-Keller sagt auch, dass sie ein anderer Pater kontaktiert habe, der von einem Pfarrgemeindemitglied von dieser "Geschichte" gehört habe. Ein Brief, den F. im Mai 2009 an Diözesanbischof Egon Kapellari geschrieben hat, hat der Bischof nach eigenen Angaben an Abt Hubl ins Stift Admont weitergeleitet. In dem Brief schilderte F. detailreich seine Geschichte und forderte eine Stellungnahme der Kirche. "Ich habe nie eine Reaktion bekommen", sagt er.

Laut Diözese wurde der Pater nach Bekanntwerden der Geschichte Ende 2007 pensioniert. Er war zu diesem Zeitpunkt 79 Jahre alt.

Ombudsstelle

Der Admonter Abt Hubl rät jenen, die sich als Opfer fühlen, sich an die Ombudsstelle der Diözese oder an ihn selbst zu wenden: "Wenn es Opfer gegeben hat, müssen wir mit der Sache offen umgehen und ihnen beistehen", sagt er. Auch eine Entschuldigung sei möglich: "Wenn der Pater ein Täter war, müsste man den Opfern helfen und sich bei ihnen entschuldigen."

SONJA HASEWEND

Kommentar

Thomas GötzMissbrauch i... von Thomas Götz

Ombudsstelle für Opfer

Für Opfer von sexuellem Missbrauch in der Kirche hat die Diözese Graz-Seckau im Jahr 1996 als Reaktion auf den Fall Groer eine Ombudsstelle eingerichtet. Leiterin ist die Psychotherapeutin Birgit Posch-Keller. Dort gibt es auch Juristen, die über die Möglichkeit eines Verfahrens beraten.

Die Stelle richtet sich vor allem an Jugendliche, aber auch an Erwachsene, die in ihrer Kindheit oder Jugend missbraucht wurden.

Meldet sich ein Opfer, trifft sich Posch-Keller mit ihm zu einem Gespräch. Ein Angebot zur Schadensbegrenzung sei eine kostenlose Psychotherapie.

15 Kontakte habe es seit 1996 gegeben, in einigen Fällen habe ein Täter mehrere Opfer gehabt. Bei sieben der 15 sei es um Kindesmissbrauch gegangen.

Erreichbar ist die Ombudsstelle unter 0676-8742 6899. Jeder Fall werde vertraulich behandelt.

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