Plötzlich war das Gas fünf Mal so teuer
Grazer Pensionistin sollte monatlich 1100 Euro für Erdgas zahlen. Sie ist nicht die einzige Steirerin, die sich derzeit über hohe Gasrechnungen wundert.

Foto © © Wolfgang-S - Fotolia.com Exakt 1104 Euro sollte die Grazerin künftig für die Erdgasversorgung ihres Einfamilienhauses löhnen - monatlich
Als Johanna W. im Dezember die neue Vorschreibung für ihre Gasabrechnung sah, wollte sie ihren Augen nicht trauen. Exakt 1104 Euro sollte die Grazerin künftig für die Erdgasversorgung ihres Einfamilienhauses löhnen - monatlich. Das ist mehr als das Fünffache dessen, was sie bisher zahlen musste. "Die Raten waren seit Jahren gleich, und ich habe beim Heizen überhaupt nichts verändert", sagt die Pensionistin.
W. reklamierte also bei ihrem Gasanbieter, der Energie Graz. Und siehe da: Der auf der Rechnung ausgewiesene Zählerstand stimmte nicht, die Vorschreibung wurde herabgesetzt - nun auf 775 Euro. Immer noch monatlich. Und immer noch dreieinhalb Mal mehr als früher. "Wie soll ich mir das leisten?", fragt die Grazerin. "Man hat mir gesagt, dass ich plötzlich mehr Gas verbrauchen würde. Dabei haben wir letztes Jahr unser Haus dämmen lassen. Ich bin sparsam und schaue immer auf die Grade."
Bei der Energie Graz bestätigt man die höheren Vorschreibungen. Den Berechnungen des Unternehmens zufolge würde die Familie statt bislang 3300 Kubikmeter Erdgas jährlich völlig unvermittelt mehr als 5000 Kubikmeter verbrauchen. "Das ist mitverantwortlich dafür, dass die Rechnung für das erste Quartal im Jahr höher ist", sagt Sprecher Alexander Leutschacher. "Ab April wird es für die Dame wieder etwas billiger."
Doch der rätselhafte Mehrverbrauch ist bei Frau W. nur einer der Gründe für die saftige Rechnung. Fast alle steirischen Gas
kunden müssen in den ersten Monaten des heurigen Jahres für die Wärmeversorgung mehr löhnen. Und das, obwohl die Gaspreise gesunken sind.
Ursache ist eine außertourliche Zwischenabrechnung, die die Gas-Anbieter im vergangenen November aufgrund des auslaufenden Gasbonus legen mussten. Bei dieser vorgezogenen Jahresabrechnung waren die beiden kalten Monate November und Dezember, in denen der Gasverbrauch hoch ist, naturgemäß noch nicht berücksichtigt. Die Folge: Die meisten Kunden bekamen ein Guthaben ausbezahlt. Denn die Monatsraten waren ja für das ganze Kalenderjahr berechnet. Nun tritt der umgekehrte Effekt ein: Die Heizmonate kommen teurer. Und der kalte Winter schraubt die Gasrechnungen zusätzlich nach oben.
Kaputte Gastherme
Die außerordentliche Steigerung bei der Familie W. machte die Energie Graz nun dennoch stutzig. "Es könnte sein, dass in diesem Fall die Gastherme im Haus defekt ist", vermutet Leutschacher. Für die Reparatur sei der Hausbesitzer verantwortlich. Bestätigt sich der Verdacht, könne auch die Vorschreibung wieder etwas herabgesetzt werden. Wenn auch nicht auf das Niveau von vorher.

















