Auf eigene Faust
Die Ich-AG: Wenn man sein eigener Chef ist. Vier Menschen, ein Konzept: zurück zum Anfang und durchstarten.

Foto © David BauerManuela Schratzer (27) hat sich mit ihren Bio-Fruchtaufstrichen selbst aus der Arbeitslosigkeit gerettet
Koch Andreas Schindler wollte sein Hobby nicht zum Beruf verkommen lassen. Unter dem Namen "schindlerkocht" bewirtet er seine Gäste nun einfach zu Hause.
Volksschullehrerin Christine Beikircher gefielen immer schon diese kleinen Geschäfterln, die sich in Seitengassen verstecken. Heute hat sie ihr eigenes. In einer kleinen Seitengasse.
Martina Nittel wurde zum zweiten Mal Mutter und schließlich arbeitslos. Heute sorgt sie für Ordnung auf heimischen Tischen. Und in heimischen Töpfen. Manuela Schratzer suchte einen Weg aus der Arbeitslosigkeit und einen exotischen Brotaufstrich. Und hat ihn einfach selbst zusammengemixt. Heute stehen ihre "Manniladen" in den Geschmacksrichtungen "Banane-Zitrone" oder "Ananas-Kokos" sogar bei Spar im Regal.
Alle vier Unternehmer haben aus der Not eine Tugend und mit dieser ein Geschäft gemacht. Ihr eigenes. Die Ich-AG. Sie sind zurück an den Start, um das Spiel des Lebens noch einmal von vorne zu beginnen.
Der Begriff "Ich-AG" wird für Ein-Personen-Unternehmen verwendet und gelangte 2002 in Deutschland zu trauriger Berühmtheit. Er wurde zum "Unwort des Jahres" gekürt. Grund: die Unlogik, da ein Individuum keine Aktiengesellschaft sein kann. Für diese vier Unternehmer ist "Ich-AG" aber alles andere als ein Unwort, sondern ein Tun-Wort.
TAUSENDSCHÖN
Klein, aber fein
Den Namen für ihr kleines Geschäft in der Stubenberggasse hatte Christine Beikircher schnell gefunden. Tausend schöne Sachen und "dazu heißt das Gänseblümchen im Volksmund auch Tausendschön". Im Oktober 2009 hat Beikircher eröffnet, zuvor hat sie als Volksschullehrerin gearbeitet, aber es war Zeit für einen Tapetenwechsel. "In fremden Städten hat es mich immer in diese lieben Geschäfte gezogen." Heute hat sie selbst eines und ist glücklich: "Ich mag es, über mich selbst zu bestimmen. Es macht mich sehr zufrieden."
MANNILADEN
Exotisches im Marmeladenglas
Plötzlich standen Manuela Schratzer und ihr Lebensgefährte Hubert Teubenbacher ohne Job da. Doch die beiden entdeckten eine Marktlücke: exotische Bio-Fruchtaufstriche. Mittlerweile sind die "Manniladen" bei Spar, Eine-Welt-Läden und Bio-Läden erhältlich und die beiden "superglücklich".
SCHINDLERKOCHT
Daheim bekocht
Kochen zum Angreifen: "schindlerkocht". Das Restaurant von Andreas Schindler liegt in seinen eigenen vier Wänden, gegessen wird an seinem Küchentisch. "Ich wollte, dass mein Hobby Hobby bleibt und nicht zum puren Stress verkommt. Ich sehe meine Gäste, kann mich mit ihnen unterhalten. Außerdem bin ich auf mich allein gestellt. Trotzdem ist um punkt zehn Uhr abends Sperrstunde." Bekocht werden zwischen sechs und zwölf Personen. Das Menü kostet 28 Euro. Getränke sind inbegriffen. Reserviert werden kann unter: andreas@schindlerkocht.at
TISCHLEIN DECK DICH
Dekoratives und Schmackhaftes
Augenschmaus und Gaumenfreude werden bei "Tischlein deck dich" in der Grazer Kaiserfeldgasse großgeschrieben. Besitzerin Martina Nittel saß früher bei einem Zahnarzt am Empfang, dann kam "Jana", Töchterchen Nummer zwei, der Arzt ging in Pension und Martina Nittel war ein Fall für das AMS. "Also habe ich mich selbstständig gemacht. Ich habe dieses leerstehende Lokal gesehen und habe gewusst, das passt." Nun gibt es alles, was man für den Tisch und zum Kochen braucht. Spezialität des Hauses: der Kuchen im Glas. Klingt dekorativ und schmeckt.

















