Grazer SPÖ kostet Voves viele Nerven
Voves ärgert sich über Grazer SP-Spitze. Frauen sind in VP-Soitze kaum vertreten. Edlinger verkörpert anderes Frauenbild.

Foto © ScheriauFranz Voves hadert mit seiner Grazer Partei: Nicht das erste Mal hängt das Schicksal eines SPÖ-Spitzenkandidaten indirekt am Wollen seiner Grazer Funktionäre
Schon einmal scheiterte ein SPÖ-Spitzenkandidat beim Versuch, Landeshauptmann zu werden, ausschließlich an seiner Grazer Partei: Am Nachmittag des 17. Dezember 1995 sah sich Peter Schachner-Blazizek für einige Stunden am Ziel seiner Träume, die SPÖ sah wie der sichere Sieger aus. Dann kamen die Ergebnisse aus der Landeshauptstadt und Schachner verfluchte heimlich seine Grazer Genossen: Landesweit hatte die SPÖ zugelegt, in Graz aber verloren. Die ÖVP blieb insgesamt um 2414 Stimmen vor der SPÖ, Josef Krainer trat zurück, aber Landeshauptmann wurde Waltraud Klasnic.
Genau dieses Szenario ist es, das dem amtierenden Landeshauptmann Franz Voves riesige Sorgen macht: Selbst wenn es ihm gelingt, im Rest des Landes vorne zu bleiben, könnte ihm Graz die Suppe total versalzen. Bei der Landtagswahl lagen die Genossen noch rund 2500 Stimmen vor der ÖVP, bei der Gemeinderatswahl aber bereits 21.500 Stimmen hinter den Schwarzen. Diese Differenz macht mehr als jene Stimmenzahl aus, mit der Voves 2005 landesweit vor der ÖVP lag.
Nur aus dieser Betroffenheit heraus sind die indirekten Attacken von Voves gegen die roten Funktionäre in Graz zu verstehen: "90 Prozent der Grazer SPÖ sind für dieses sektorale Bettlerverbot", ärgerte sich Voves im Presseklub, nur die Parteispitze leistet massiv hinhaltenden Widerstand gegen seinen Vorstoß auf Landesebene. "Nein", ärgert sich der Grazer Parteichef Wolfgang Riedler, "wir machen Voves keine Probleme." Er sei nur von der Wirksamkeit eines solchen Verbots nicht überzeugt, "es kommt nur zu einer Verdrängung der Bettelei in die Peripherie".
Insgesamt habe die Frage der Bettelei wenig mit der Grazer SPÖ zu tun, betont Riedler: "Das ist eine Sache, die Bürgermeister Siegfried Nagl lösen muss", denn dieser sei zuständig für ortspolizeiliche Regelungen. Was wiederum in der engeren Umgebung von Voves fast zu Wutausbrüchen führt: "Dort stellt sich offenbar niemand die Frage, weshalb die SPÖ bei der Gemeinderatswahl auf eine 19-Prozent-Partei geschrumpft ist. Nur weiter so."
Mit dem Avancement von Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder an die Spitze der ÖVP-Frauen unternimmt ÖVP-Obmann Hermann Schützenhöfer den Versuch eines Befreiungsschlages. Frauenpolitisch gesehen ist die Bilanz der ÖVP mehr als düster - nur drei von 24 Landtagsabgeordneten sind weiblich, und eines von vier Regierungsmitgliedern.
Die Ursache dafür liegt paradoxerweise in der Ära Klasnic. Als Waltraud Klasnic zur Chefin der ÖVP aufgestiegen war, durfte auf die erste Landeshauptfrau Österreichs kein Schatten fallen. Es war Teil der politischen Strategie der Volkspartei, neben ihr keine starke frauenpolitische Stimme hochkommen zu lassen. Aus dieser Zeit rührt auch der bemerkenswerte Umstand, dass die frühere frauen-und familienpolitische Frontfrau der ÖVP, Ridi Steibl, völlig in der Versenkung verschwand. Sie amtiert weiterhin als Nationalratsabgeordnete in Wien. In der Steiermark spielt sie keine Rolle mehr.
Kristina Edlinger-Ploder selbst war ein Geschöpf Klasnics, fühlte sich allerdings genau deshalb auch zu maximaler Loyalität verpflichtet. Anfangs machte sie als junges, neues, weibliches Gesicht österreichweit von sich reden: Interviews im profil oder im Standard ließen aufhorchen, weil hier eine neue Lebensnähe spürbar wurde, die sich klar vom etwas verzopften Frauenbild der Volkspartei unterschied. Edlinger-Ploder ist auch von ihrer persönlichen Biografie her ein Kind der Zeit: zwei Kinder, geschieden und trotzdem erfolgreich. Als in der Folge klar war, dass an der Spitze der Frauenorganisation so rasch kein Wechsel erwünscht war, zog sich die einstige Finanz- und am Samstag Verkehrslandesrätin von dieser Bühne zurück. Sie wollte sich in der Folge explizit als kompetente Fachfrau, nicht als Frauenpolitikerin verstanden wissen.

















