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Zuletzt aktualisiert: 27.01.2010 um 05:00 UhrKommentare

So viele Steirer ohne Arbeit gab es noch nie

Der Jänner 2010 wartet mit einem traurigen Rekord auf: 54.000 Steirer sind derzeit arbeitslos. Wie Dieter und Teresa Schöner, sie erzählen von der Scham, ohne Job zu sein, und von der Hoffnung auf Arbeit.

Foto © AP/Sujet

Selbst wenn du noch nie damit konfrontiert warst, bisher ganz viel Kraft hattest, nach zwei Monaten ohne Arbeit ist dein Selbstwertgefühl bei null", erzählt der Grazer Dieter Schöner sehr freimütig von dem demütigenden Zustand, ohne Arbeit zu sein. Mit seiner Frau Teresa sitzt Schöner im Esszimmer der Wohnung in Graz und sinniert darüber nach, was er falsch gemacht haben könnte. "Nichts", erkennt er, "aber andere habe einen Job und du nicht." Von sozialer Hängematte sei da aber keine Spur, wischt Schöner jeden Anschein von Gemütlichkeit angesichts seiner Lage vom Tisch.

Gegen Resignation

Da sei eine große Scham, gesteht der 52-Jährige, in dieser Situation der Arbeitslosigkeit "als Asozialer" gesehen zu werden. Er habe es anfangs selbst nicht glauben können, wie schnell da alle Hoffnung niedergerasselt sei. Seit Juni 2009 ist der Softwareentwickler ohne Arbeit, seit seine Firma, die die Logistik für die Mobilkom erledigte, in Konkurs gegangen ist. Elf Jahre hat er dort gearbeitet. Doppeltes Pech: Auch Teresa Schöner (47) war bei der Firma beschäftigt und ist nun ebenfalls ohne Arbeit. Von Resignation will sie nichts wissen, doch eine Angst wird spürbar: dass es aus dieser Situation keinen Ausweg mehr gibt.

Während Teresa Schöner große Hoffnung hat, dass beide noch rasch "etwas" finden, ist Dieter Schöner inzwischen überzeugt, dass es noch länger dauern wird. Ernüchtert musste er erfahren, dass auf drei Viertel seiner Bewerbungsschreiben nicht einmal eine Antwort kommt: "Und das von Firmen, die Leute suchen."

Derzeit lebt man noch vom Ersparten, und man hofft, dass es nicht so kommt wie bei Bekannten, die nichts mehr auf der Seite haben. "Bis ein Job kommt, muss

es reichen", sagt Teresa Schöner. Bis dahin heißt es für die Familie, die Ausgaben zu reduzieren. Letzten Sommer hätten ihre beiden Kinder, die 15-jährige Laura und der 14-jährige Tobias schon schlucken müssen, als sich kein Urlaub ausgegangen ist, erzählt Dieter Schöner.

Viel Kraft bezog er zuletzt aus einem Managementkurs, den das AMS finanziert hat: "Ich habe da Leute mit viel Kompetenz kennen gelernt. Das hilft. Man hat das Gefühl, man ist nicht allein." Bis ein Job kommt, will Schöner anderen Menschen helfen und in karitativen Einrichtungen arbeiten. Und er appelliert an die Politik: "Sie muss verhindern, dass sich da eine Zweiklassengesellschaft etabliert. In die Arbeitenden und die Arbeitslosen." Die Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden sieht er als einen möglichen Ausweg. "Sonst kommt der Widerstand von der Straße."


Kommentar

BERND OLBRICHNicht nachla... von BERND OLBRICH

Interview

Herr Snobe, die Arbeitslosenzahlen vom Dezember kratzten bereits an der Zehn-Prozent-Rekordmarke. Wird es im Jänner noch schlimmer?

KARL-HEINZ SNOBE: Die saisonelle Arbeitslosigkeit ist in den Monaten Dezember, Jänner und Februar am höchsten. Im Dezember 2009 waren um 3365 Personen mehr arbeitslos als im Dezember 2008. Im Jänner werden noch mal etwa 3600 dazukommen. Es werden 53.000 bis 54.000 Menschen ohne Arbeit sein, mehr als 10 Prozent.

Gab es je so viele Arbeitslose?

SNOBE: Nein. Das ist der höchste Stand seit 1945, zumindest seit den Aufzeichnungen, die 1952 begannen. Nahe dran waren wir im Jänner 1996, damals als 52.407 Menschen ohne Arbeit waren. Nun werden es mehr.

Dazu kommen aber Menschen in AMS-Kursen und die Kurzarbeiter. Wie viel sind das derzeit?

SNOBE: Derzeit sind 10.000 Leute in Schulungen, das sind um 3000 mehr als noch 2008. In Kurzarbeit sind jetzt über 8600 Menschen in 28 Betrieben.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt im heurigen Jahr?

SNOBE: Ich denke, im Durchschnitt werden wir heuer 42.000 bis 43.000 Arbeitslose haben, und damit um 3000 mehr als 2009. Aber abgesehen von der Schwerindustrie haben Bereiche wie Autocluster, Elektronik, Holz und Papier den Boden erreicht. Ein Indikator sind die Leiharbeiter: Ihre Zahl nimmt wieder zu.

Wo gibt es noch Jobs?

SNOBE: Vor allem im Gesundheitsbereich und in der Erwachsenenbildung. Aber auch Wirtschaftsberater, im Fremdenverkehr und in den Baunebenberufen werden Leute gesucht.

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