Drogenkonsumraum: Experten drängen auf Umsetzung
Zwölf Drogentote 2009 lassen Experten wieder nach dem Drogenkonsumraum rufen. Das von Graz nachgebesserte Konzept für das österreichische Pilotprojekt wird auf Bundesebene gerade diskutiert.

Foto © Leodolter/Sujet300 Spritzen täglich werden im Schnitt in öffentlichen WCs in der Innenstadt gesammelt
Die Suchtprävention ist das erste Glied in der Kette der Drogenpolitik. Das letzte Glied soll, geht es nach den Fachleuten, der Drogenkonsumraum sein - ein Ort, an dem Süchtige unter ärztlicher Kontrolle ihre Drogen konsumieren können.
Roland Urban vom Caritas-Kontaktladen nennt die Vorteile: Der Drogenkonsum könnte von den öffentlichen WCs weggebracht werden; im Falle einer Überdosis können die Ärzte sofort eingreifen; und die hygienische Sauberkeit sollte sich positiv auf das Ausbreiten von Infektionskrankheiten wie Hepatitis C auswirken. Daher drängen er und andere Grazer Drogenarbeiter auf einen solchen Raum, kämpfen aber mit den langen Wegen der Wiener Bürokratie.
Erstes Konzept gab es 2007
"Das Schiff ist schon auf einer langen Reise", lacht Urban. Ulf Zeder, Grazer Suchtkoordinator, bestätigt: "Es ist das Bohren von harten Brettern." Er hat 2007 zum ersten Mal ein Konzept vorgelegt, eine adaptierte Version liegt derzeit beim obersten Sanitätsrat des Bundes. "Das Projekt soll auf zwei Jahre beschränkt sein und wissenschaftlich begleitet werden. Dann wird evaluiert."
Der Bundesdrogenkoordinator Franz Pietsch steht der Sache nicht abgeneigt gegenüber. "Das Projekt ist aus meiner Sicht diskussionsreif, Graz hat seine Hausaufgaben gemacht." Einziger offener Punkt aus gesundheitspolitischer Sicht: Darf man im Drogenkonsumraum auch Drogenersatzmittel wie Subsitol einnehmen, wie es das Konzept vorsieht? "Das ist eine ethische Frage, da geht es ja um wissentlichen Medikamentenmissbrauch", so Pietsch. In Deutschland, wo es schon mehrere Drogenkonsumräume gibt, ist das nicht erlaubt - dort wird auch nicht mit Substitol als Drogenersatz gearbeitet.
Ist diese Hürde genommen, müssen noch Justiz und Polizei mitspielen. Pietsch: "Derzeit fehlt für einen Konsumraum der rechtliche Rahmen - aber den kann man erzeugen."
Grüne laden zur Enquete
Parteipolitisch machen sich vor allem die Grünen für den Konsumraum stark. Für Gemeinderat Heinz Baumann ist klar: "Wir müssen uns auch um jene Süchtigen kümmern, die wohl nie mehr von der Droge wegkommen." Die Grünen laden am Montag zu einer Enquete samt Podiumsdiskussion von 9 bis 18.30 Uhr in den Roten Saal der Landesbuchhaltung in der Burggasse 13.
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Bild vergrößernEin Drogenkonsumraum wie in Münster (siehe Bild) könnte das "Spritzenproblem" in öffentlichen Toiletten in Graz unterbindenFoto © Privat

















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