"Das war für uns nie strittig"
Hubert Wimber, Polizeipräsident in Münster, zum Drogenkonsumraum.

Foto © APA/SujetKonsumraum soll für suchtkranke hygenisch vertretbare Bedinungen schaffen
In Münster gibt es seit fast zehn Jahren einen Drogenkonsumraum. Wie sind die Erfahrungen damit aus Sicht der Polizei?
HUBERT WIMBER: Wir machen sehr gute Erfahrungen damit. Es gibt hier einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Die Staatsanwaltschaft steht genauso hinter dem Konsumraum wie die Politik, die Drogenberatung, das Gesundheitsamt und wir von der Polizei. Entscheidend dabei ist ein ständiger Dialog.
Manche fürchten einen Anstieg der Kriminalität rund um einen Konsumraum - ist das berechtigt?
WIMBER: Solche Sorgen und Ängste muss man ernst nehmen und natürlich hat die Dealerszene versucht, das Gebiet rund um den Drogenkonsumraum in Münster für sich zu entdecken. Aber das haben wir gleich im Keim erstickt und behalten das gemeinsam mit dem Betreiber im Auge. Ansonsten können wir keine Zunahme der Kriminalität feststellen.
Gab es seitens der Polizei und der Politik Vorbehalte gegen den Drogenkonsumraum?
WIMBER: Für uns war das nie ein strittiges Thema. Das liegt daran, dass wir ja nicht die Drogenkonsumenten im Fokus haben, sondern die Handels- und Vertriebsstruktur aufdecken wollen. Wir als Polizei gehen insbesondere gegen die Händler, Organisatoren und Nutznießer des Drogenhandels vor, nicht gegen die Konsumenten. Die sind in erster Linie ja Opfer ihrer Sucht. Generell hat der Diskussionsprozess allerdings zehn Jahre gedauert. Aber, wie gesagt, heute gibt es einen breiten gesellschaftlichen Konsens.
Gibt es Nachahmer, Städte, die nach den Erfahrungen in Münster ebenfalls einen Konsumraum installiert haben?
WIMBER: Ja, es gibt viele Nachahmer in ganz Deutschland. Dazu wurde das Betäubungsmittelgesetz von der Bundesregierung geändert, um die gesetzliche Klarheit zu schaffen. Dort ist jetzt geregelt, dass die Staatsanwaltschaft von der Verfolgung von Tätern absehen soll, wenn diese in einem Konsumraum Betäubungsmittel nur zum Eigengebrauch in geringer Menge besitzen. Und das funktioniert auch so.
















