Geisterfahrt durch Autobahntunnel
Zehn Kilometer weit fuhr eine Niederländerin entgegen der Fahrtrichtung durch den Plabutschtunnel - und bemerkte es nicht einmal. Die Zahl der Geisterfahrer ist in der Steiermark im Steigen.

Foto © Fuchs
Der klassische Geisterfahrer ist männlich, zwischen 21 und 40 Jahre alt und alkoholisiert. Der Geisterfahrer, der gestern früh für mehrerer Autofahrer eine lebensgefährliche Situation hervorrief, war jedoch das Gegenteil: weiblich, bereits 48 Jahre alt - und stocknüchtern. Dennoch lenkte die Frau ihren Pkw von der Auffahrt Gratkorn kommend, als Geisterfahrer durch den gesamten Plabutschtunnel. Und bemerkte die Geisterfahrt nicht einmal. Erst als ein Kraftfahrer die Frau beim Südportal nach zehn Kilometer langer Fahrt stoppte, wurde die Pkw-Lenkerin auf ihren verhängnisvollen Fehler aufmerksam gemacht. "Sie war nicht ortskundig, dürfte sich daher verfahren haben", mutmaßt Oberstleutnant Manfred Prasch, stellvertretender Leiter der Verkehrsabteilung.
Begleitfahrzeug
Kurz nach 2.30 Uhr früh war die Frau gestern in Gratkorn über den falschen Zubringer auf die Pyhrnautobahn aufgefahren. Obwohl ihr mehrere Autos im Tunnel entgegenkamen, bemerkte sie ihren Irrtum nicht. Der Lenker eines Begleitfahrzeuges für Schwertransporte konnte die Niederländerin schließlich beim Südportal stoppen. "Wegen der gelben Drehlichter auf seinem Wagen hielt die Geisterfahrerin auch an", so Prasch. Der Kraftfahrer hatte sie zum Pannenstreifen dirigiert und dort bis zum Eintreffen der sofort alarmierten Autobahnpolizei festgehalten. Ihren Führerschein war die 48-Jährige sofort los. "Im Schnitt war im Vorjahr alle 22 Stunden ein Geisterfahrer in Österreich unterwegs", weiß Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich, der gestern seine Geisterfahrerstatistik präsentierte. Demnach ist die Zahl der Geisterfahrer 2009 um 21,5 Prozent und damit erstmals seit elf Jahren unter 400 gesunken.
Die Steiermark zeigt jedoch einen Aufwärtstrend: Von 74 gemeldeten Geisterfahrern 2008 stieg die Zahl im Vorjahr auf 85. "Die Statistik muss man jedoch relativierend sehen", betont Prasch. Es werde zwar jeder Meldung sofort nachgegangen, doch wirklich angetroffen und gestoppt wurden im Vorjahr steiermarkweit nur 15 Geisterfahrer. "Unfall gab es zum Glück keinen einzigen." Viele der Warnungen, die telefonisch bei der Polizei eingehen, sind Falschmeldungen. Öfters wurde auch schon ein Baufahrzeug im gesperrten Baustellenbereich für einen Geisterfahrer gehalten.
Features
Fakten
Die meisten Geisterfahrer gab es 2009 mit 91 in Niederösterreich. Im Jahr davor waren es aber noch 144 gewesen.
Die Zahl der Geisterfahrer ist damit österreichweit im Sinken - mit Ausnahme der Steiermark (85 statt 74) und Vorarlberg (16 statt 15). Die wenigsten Geisterfahrermeldungen gab es übrigens mit fünf im Burgenland.
















