Fabio Luisis packendes Seelendrama
Fabio Luisi gastierte an der Spitze "seiner" Wiener Symphoniker beim Musikverein.

Foto © APA/Sujet
Obwohl er am Sonntag erst seinen 51. Geburtstag gefeiert hatte, demonstrierte Fabio Luisi am Montag (und Dienstag) beim Musikverein für Steiermark erste Anzeichen von Altersweisheit. Im Stephaniensaal, in dem er als junger Heißsporn mit dem Grazer Symphonischen Orchester so manchen musikalischen Parforceritt unternommen hatte, schlug er jetzt am Pult der Wiener Symphoniker sehr bedächtige Zeitmaße an.
Für die mit dem Musikverein eng verbundene "Unvollendete" Franz Schuberts wählte er rekordverdächtig breite Tempi, um den Gehalt der Musik dramatisch zu verdichten. Mit expressiver Wucht malte er die Schreckensvisionen, mit kraftvollen, dunkel gefärbten, aber klanglich nicht schroffen Ausbrüchen inszenierte er ein packendes, erschütterndes Seelendrama ohne Larmoyanz.
Ebenso intensiv erklang, obwohl die Bläser nicht immer lupenrein musizierten, als zweites Bekenntniswerk Anton Bruckners ebenfalls fragmentarische neunte Symphonie.
Luisi gelang es, Tragik und Verzweiflung auszuloten und die zerklüfteten Spannungsbögen zum Klingen zu bringen, die Angst einflößenden Abgründe des Werkes organisch in die gigantische Struktur einzubinden. Die gewaltige Gesamtarchitektur stets im Auge, unterstrich er im hämmernden Scherzo den aggressiven Trotz und in dem von den letzten Dingen des Lebens sprechenden Adagio die bis an die Grenzen der Tonalität führenden harmonischen Kühnheiten.
Im Radio: 14. März, 11.03 Uhr, Ö 1.
















