Die kostbarste Baustelle des Landes
Experten renovieren im Schichtbetrieb den barocken Sitzungssaal des Landtages. Der Fund eines Gemäldes berichtet von martialischen Zuständen früherer Zeiten.
Quelle © landtag_digi100112.jpg | Foto: KLZ Digital Umbau der Landstube: Lokalaugenschein
Nicht nur die Abgeordneten schlagen sich hier mitunter die Nächte um die Ohren. Derzeit werken hoch qualifizierte Restaurateure und Facharbeiter 16 Stunden am Tag an der Renovierung des barocken Stuckplafonds der so genannten Landstube. Der Sitzungssaal des Landtages muss bis zum Herbst wieder hergestellt sein, und dieser Termin ist nur zu halten, wenn die Decke des geschichtsträchtigen und prächtigen Saales bis zum Monatsende fertig ist.
Kurt Flecker, seit Herbst Präsident des Landtages und ein Mann, der nicht so leicht zu beeindrucken ist, muss zugeben, dass ihn die Arbeiten persönlich berühren. Fast täglich besucht er die Baustelle und die Arbeiter. Die Modernisierung der veralteten Technik, die Sanierung wertvoller Bausubstanz, die Rettung veritabler Kunstschätze und die Schaffung einer zeitgemäßen Infrastruktur für das Landesparlament sind ein Riesenprojekt.
Verniedlicht
2,5 Millionen Euro Gesamtkosten - davon eine Million für die reine Sanierung und Renovierung - seien angesichts des Umfangs der Arbeiten jedenfalls nicht viel", berichtet Flecker von der gewissermaßen kostbarsten Baustelle des Landes.
Landstube ist ein Wort, das diesen Raum verniedlicht. Die heutigen Landtagsabgeordneten arbeiten während der Plenarsitzungen wie die früheren Landstände - Vertreter des Adels, der Klöster und der Städte - in einem prachtvollen, fast quadratischen Raum im ersten Stock des Grazer Landhauses. Er hat trotz seiner Größe den Charakter eines Salons behalten.
Derzeit wird die Landstube durch eine vertikale Ebene getrennt. Oben arbeiten Spezialisten an der Sanierung des Plafonds und der barocken Stukkatur, unten - behindert von den Stahlrohren, welche die Arbeitsfläche tragen - werden der Parkettboden und die Holzvertäfelung saniert. Markus Zechner, Chef des Restaurierungs-Teams, entdeckte zahlreiche gravierende Schäden, die in 270 Jahren - der Raum ist in seiner jetzigen Form seit dem Jahr 1740 in "Betrieb" - eben so entstanden sind.
Belustigt erzählt er vom Zufallsfund eines Ölgemäldes, das zusammengerollt auf dem Dachboden gelegen war (wir berichteten). Es ist ein vier mal fünf Meter großes Werk aus dem 19. Jahrhundert, eine Darstellung der Enthauptung des Söldnerführers Andress Baumkirchners (1420 bis 1471), der sich die Habsburger zum Feind gemacht hatte. Mit so martialischen Vorgängen hat der moderne Landtag zum Glück nichts mehr zu tun.
Features
Fotoserie
Wahlort für den Landeshauptmann
Landhaus. Ihr Landesparlament, das die Steirer heuer - voraussichtlich im September - wählen werden, hat seinen Sitz im Landhaus in Graz.
Landstube. Die Vollversammlung der Landtagsabgeordneten findet allmonatlich in der Landstube statt, im ersten Stock des mittleren Landhaustraktes.
Landtag. Eine der wichtigsten Aufgaben des Landtags ist, den Landeshauptmann zu wählen, denn die Bürger wählen "nur" den Landtag.
Landeshauptmann. Die Wahl des nächsten Landeshauptmannes wird jedenfalls in der renovierten Landstube stattfinden. Bis dahin tagt der Landtag im Sitzungssaal des Grazer Gemeinderates.


















