Junge Ärzte schlagen Alarm: kein Geld für Ausbildung
Die Ausbildung von Allgemeinmedizinern sei veraltet und oberflächlich: Das beklagen Jungärzte, die nun starken Druck auf die Politik machen.

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Eigentlich ist es erstaunlich: Das medizinische Wissen ist in den letzten 70 Jahren explodiert, aber die Ausbildung der Allgemeinmediziner ist gleich geblieben. Noch immer dauert der ärztliche Turnus drei Jahre, und noch immer werden die künftigen Hausärzte überwiegend als "Beiwagerln" im Spital ausgebildet. Sie lernen aber nicht, wie man eine Praxis führt. Und dieses Wissen fehlt dann bitter im späteren Berufsleben.
Gegen diesen Missstand wird seit Jahren vergeblich gekämpft. Jetzt aber platzt einer Gruppe von steirischen Jungärzten der Kragen. Für 14. Jänner laden sie im Uni-Klinikum Graz zu einer Protestversammlung, um aufzuzeigen, dass die Allgemeinmedizin "an einem dramatischen Scheideweg" stehe, wie es heißt.
"Nach drei Jahren Spital fühlt man sich in keiner Weise fähig, eine Ordination zu führen", sagt die Ärztin Julia Baumgartner, die gemeinsam mit Kollegen die Gruppe "Junge Allgemeinmedizin Österreich" (Jamö) vertritt. Baumgartner beschreibt die Ausbildungsmängel: Turnusärzte müssen meist Befunde schreiben und Infusionen anhängen, sie werden mit Hilfsarbeiten so zugedeckt, dass oft die Zeit fehlt, mit auf Patienten-Visite zu gehen. Vor allem aber brauche der Hausarzt andere Fertigkeiten als der Spitalsarzt: Er muss lernen, Diagnosen ohne die hochgezüchtete Apparate-Technik zu erstellen. Und er muss wissen, wie man Medikamente verschreibt. "Hausarzt ist eines der schwierigsten Fächer überhaupt", sagt Baumgartner. Und es werde immer schwieriger, weil die Patienten zunehmend mit Halbwissen aus dem Internet in die Praxis kommen und dementsprechend forsch auftreten.
Eigene Facharzt-Ausbildung
Die Forderungen der Jamö sind klar: Die Lehrpraxis draußen in den Ordinationen müsse stärker vom Staat bezahlt werden (derzeit muss der ausbildende Arzt das finanzieren). Das Fach "Allgemeinmedizin" soll eine eigene Facharzt-Ausbildung werden. Und es müsse mehr allgemeinmedizinische Forschung und Lehre geben. Das alles könnte sich für den Staat finanziell sogar auszahlen - ein gut ausgebildeter Hausarzt kann die Kosten der Gesundheitsversorgung senken. Der Ausbildungsreferent der Ärztekammer, Peter Niedermoser: "Der Bund ist zuständig, unsere Kollegen können die Ausbildung nicht allein finanzieren."
Dennoch reagiert die Politik verhalten: Für die Finanzierung der Lehrpraxen fehle das Geld, sagt die Referentin im Büro von Gesundheitsminister Alois Stöger, Birgit Angel. "Derzeit zahlen wir mit einer Million Euro mit, mehr ist nicht möglich." Immerhin werde man nun in Gespräche eintreten. Im Sommer soll es einen Runden Tisch dazu geben.
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Kein Geld für die Ausbildung
Seit Jahresbeginn gibt es für Jungärzte, die in Ordinationen ausgebildet werden, einen Kollektivvertrag: Je nach Dienstalter sollen sie zwischen 1300 und 2600 Euro monatlich verdienen. Völlig offen ist aber, wer das zahlt: Bis zu zehn Millionen Euro kostet das Modell im Vollausbau. Nur eine Million zahlt der Bund. Die Länder sollen nun zur Kasse gebeten werden. Derzeit zahlen die Ausbildner.
















