Franz Voves und sein Leiden am Tag danach
Neun Monate vor der Wahl liegen Landeshauptmann Franz Voves und sein Herausforderer Hermann Schützenhöfer Kopf an Kopf. Einer wird nach der Wahl gehen.

Foto © KanizajHermann Schützenhöfer und ranz Voves: Nach den Wahlen im Herbst kehrt vermutlich nur einer der beiden ins Landhaus zurück
Vor vier Jahren ist Franz Voves angetreten, das Land zu verändern. In einem Dreivierteljahr steht er selbst auf dem Prüfstand: Kann er die Wahl gewinnen?
Anfang 2010 liegen Voves und sein Herausforderer Hermann Schützenhöfer Kopf an Kopf. Niemand hätte vor einem Jahr prognostiziert, dass es bei der ersten Wahl nach der Wende von Schwarz zu Rot in der Steiermark so knapp werden würde. Das Jahr 2009 machte deutlicher als die Jahre zuvor, wo die Stärken, aber auch wo die Schwächen des SP-Chefs liegen. Die Kernkompetenz des Landeshauptmannes ist sein politischer Instinkt. Er erspürt zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Themen. Paradebeispiel dafür war im vergangenen Jahr die Debatte über Vermögenssteuern, ein anderes das Gespür für die Notwendigkeit eines Wechsels im eigenen Team.
Seine Achillesferse ist der Tag danach. Selten gelingt es Franz Voves, ein Anliegen so umzusetzen, dass ihm nachhaltiger Erfolg beschieden ist. So ist es ihm bis heute nicht gelungen, den versprochenen Gegenentwurf zu 60 Jahren ÖVP-Vorherrschaft im Lande zu entwickeln. Voves steht für Voves, nicht für ein Team und nicht für eine Strategie. Die Personen rund um ihn sind Satelliten, die ihm folgen, so gut es eben geht. Nicht immer geht es gut.
Immerhin: Mit dem Namen Voves wird etwas verbunden. Für die einen ist es die Emotion, sein Poltern. Auch sein Scheitern, etwa an der eigenen Sitftung. Für die anderen ist es der "Arbeiterbua", der an die kleinen Leute denkt. Für die dritten der Gitarrespieler, der Politiker zum Angreifen, der - manche sehen es positiv, andere negativ - auch an der Spitze zu privaten Rückzugsräumen steht.
Das Gegenteil
Sein Herausforderer ist das exakte Gegenteil. Hermann Schützenhöfer ist Stratege, durch und durch. Sein Ziel ist der Landeshauptmann, der Weg zum Ziel führt über sein Team. Das Credo,, der SPÖ keinen Erfolg zu gönnen, erwies sich aus heutiger Sicht als Erfolgsprinzip. Der Preis: Auch mit dem Namen Schützenhöfer wird viel Widerstand verbunden. Mit guten Ansätzen zur eigenen Profilierung und zur Öffnung der Partei - in der Sozialpolitik, in der Familienpolitik, in der Bildungspolitik blieb er auf halbem Wege stehen - vielleicht aus der Sorge heraus, die traditionell orientierte Breite zu verlieren.
Ein Jahr vor der Wahl ist nur eines klar: Die Paarung VovesSchützenhöfer wird es nicht mehr geben, der Verlierer wird gehen.
Features
Gemeinderatswahlen
Bei den Gemeinderatswahlen 2005 kam die SPÖ in Summe bis auf 90 Stimmen an die ÖVP heran. In den roten Kernzonen fürchtet sie nun Verluste an die FPÖ - das könnte der ÖVP Auftrieb für den Herbst geben.
Wirtschaftskammer-Wahlen
Einen Impuls von den Wirtschaftskammer-Wahlen erhoffen sich die Grünen: In Oberösterreich sind Wirtschaft und Industrie der Kitt im Bündnis mit der ÖVP. Die Grazer Kandidatin Sabine Jungwirth kommt aus der Wirtschaft - und könnte im Herbst in den Landtag kommen.
Blau zieht mehr als Orange
Im Rennen zwischen Blau und Orange wird vermutlich das BZÖ auf der Strecke bleiben, trotz seines umtriebigen Chefs Gerald Grosz. In der FPÖ dürfte sich erst nach der Wahl entscheiden, ob allenfalls Spitzenkandidat Gerhard Kurzmann oder der Grazer Parteichef Mario Eustacchio in die Regierung einziehen darf.
Schwere Schlacht
Die Kommunisten haben die schwerste Schlacht zu schlagen: Sie sind derzeit drittstärkste Kraft im Landtag und drohen nach der Wahl hinauszufallen. Sie rittern mit den Grünen um die Grazer Stimmen.
Was noch zur Sprache kommen sollte
Die Abschaffung des Proporz geriet in den Hintergrund, nachdem die ÖVP dies blockierte. Alle anderen Parteien sind dafür - das könnte zum Faustpfand für die Wahl des Landeshauptmannes werden.

















