Manager der Nächstenliebe
Franz Küberl ist als Präsident der Caritas der Lobbyist der Armen. Dafür wurde er kürzlich zum "Mann des Jahres" gewählt.

Foto © Jürgen FuchsKüberl, der vermutlich prominenteste Katholik Österreichs
WOLFGANG SOTILL
Es ist eine Karriere amerikanischen Zuschnitts. Nur stieg Franz Küberl nicht vom Tellerwäscher auf, sondern vom Posten einer Verwaltungskraft im LKH Graz - aber Millionär wurde auch er. Und zwar verfügt er als Präsident der österreichischen Caritas über ein Jahresetat von knapp 500 Millionen Euro. Umgelegt auf steirische Verhältnisse ist das etwa der Jahresumsatz von Humanic. Fraaanz steht eben für Qualität. Und ihretwegen wurde Küberl vom Wirtschaftsmagazin "Trend" zum "Mann des Jahres" gewählt.
Qualität bescheinigen Küberl auch viele Weggefährten. Etwa Andreas Treichl, Chef der Erste Bank, der angibt, bei der Gründung der "Zweite Bank", die speziell auf arme Kunden ausgerichtet ist, von Küberl "viel gelernt" zu haben. Und Franz Harnoncourt-Unverzagt, Aufsichtsrat der Grazer Wechselseitigen lobt: "Bei ihm gibt es keine Gefälligkeitsstatements. Mich beeindruckt seine Geradlinigkeit."
Stallgeruch von Bethlehem
Bei all seiner Umtriebigkeit - 70.000 Autokilometern, zigtausenden Bahnkilometern und zahlreiche Flugreisen zeugen davon - ist der erfolgreiche Manager der Nächstenliebe immer noch dünnhäutig geblieben. Wenn er von der Caritas spricht, dann nicht von deren Dimensionen, sondern von den Menschen. Von den 27.000 freiwilligen Helfern, "ohne die wir das, was wir leisten, nie vollbringen könnten". Und natürlich von den Menschen, die in Not sind und die uns brauchen, "um selbst wieder flott zu werden". Egal ob dies nun soziale oder materielle Not ist oder das Drama der Einsamkeit, die zur Hilflosigkeit führt - die Hilfe der Caritas ist ein beständiges Angebot. Und wenn er dafür angegriffen wird, dass seine Hilfe auch Muslimen zu Gute kommt - in Österreich und in der Dritten Welt - dann kontert Küberl unmissverständlich: "Wir haben als Christen eben den Stallgeruch von Bethlehem. Jesus hat auch nie davon gesprochen, dass man ein Religionsbekenntnis überprüfen sollte, ehe man hilft."
Diesen Hilfsbegriff der katholischen Kirche nennt Küberl "revolutionär" und er hofft, dass er sich auch in anderen großen Religionsgemeinschaften durchsetzt.
Küberl, der Workaholic, der es geschafft hat, die Caritas unter die zehn bekanntesten Marken des Landes zu positionieren und den man als den erfolgreichsten Geldeintreiber der katholischen Kirche bezeichnen kann, hat aber auch ein Privatleben. Wenn er seine freie Zeit nicht seiner Frau Kerstin und den beiden Söhnen Andreas (24) und Severin (21) widmet, dann verbringt er seine Abende gerne tarockierend. "Dabei wird viel geplaudert und Schmäh geführt." Nachsatz: "Da entspann ich mich."
Dass er manchmal auch gewinnt, erzählt Küberl gerne als Beleg dafür, dass er "doch nicht so schlecht spielt". Dass er schon zweimal als Letztplatzierter des von ihm mitveranstalteten Tarock-Charity-Turniers die "Schraufen" bekommen hat, müssen wir bei Kartenfreunden in Erfahrung bringen.
Küberls zweite private Leidenschaft sind die Berge. Die vier höchsten Österreicher hat er schon bestiegen, ebenso zahlreiche Gipfel in der Ortlergruppe, im Gesäuse, in Südtirol. In den letzten Jahren hat er sich aber eher umorientiert und er konzentriert sich auf die steirischen 2000er, von denen er 80 der 800 bereits "gemacht" habe. Nach seinem Unfall im Jänner 2003 - Küberl stürzte und erlitt einen Schädelbasisbruch - sind die Berge niedriger geworden. Aber steil nach oben treibt es den Lobbyisten der Armen immer noch.
Features
Fakten
In Österreich gibt es fünf große Hilfsorganisationen und zahlreiche kleine. Eine Auflistung nach den Jahresbudgets:
Caritas: 483,2 Millionen, 11..000 angestellte Mitarbeiter;
Rotes Kreuz: 450 Millionen, 5605 Mitarbeiter;
Volkshilfe: 258,5 Millionen, 8000;
Diakonie: 240 Millionen, 5650;
Hilfswerk: 195,4 Millionen, 6100.
Weitere Zahlen der Caritas:
Freiwillige Helfer: 27.000
Senioren- und Pflegehäuser: 43
Häuser für Asylwerber: 37
Sozialberatungsstellen: 33
Obdachloseneinrichtungen: 25
Auslandshilfsprojekte in vier Kontinenten: 582
Monatliches Nettoeinkommen des Präsidenten: 3700 Euro
Spenden pro Jahr: 38,5 Mill. Euro
















