Gott und die Beweislastumkehr
"Gibt es Gott?", fragten der Philosoph Rudolf Burger, Weihbischof Franz Lackner und Physiker Anton Zeilinger. Die Antwort blieb offen.

Foto © APAWeihbischof Franz Lackner
"There's probably no god?" hieß das Thema, das mühelos das gesamte Parterre des Grazer Kunsthauses füllte. Das "Modell Zukunft Steiermark" hatte geladen. Parteifreunde hatten ihm Blasphemie vorgeworfen wegen der Themenwahl, erzählte der steirische VP-Chef Hermann Schützenhöfer. Schließlich haben militante britische Atheisten den Spruch einst auf Bussen plakatiert, als Provokation.
Ein Vertreter dieser Bewegung meldete sich zuletzt aus dem Publikum. Es ginge den Atheisten lediglich um gleiche Rechte und Wahrnehmung, auch in einem Land wie Österreich, das in seinen Augen total von der Kirche dominiert sei.
Härter war der Angriff, den der Wiener Philosoph Rudolf Burger gegen die Religion vortrug. Atheist genannt zu werden, lehne er ab, sagte er, da ihn das Wort in Gegenposition zu etwas bringe, das es seiner Ansicht nach nicht gibt. Die Beweislast in der Gottesfrage schob er den Gläubigen zu. Der Monotheismus sei noch jung, also müssten seine Anhänger seine Plausibilität erklären. Zuletzt zollte Burger Fundamentalisten Respekt, weil sie den Wahrheitsanspruch ihres Glaubens ernst nehmen.
Weihbischof Lackner griff die Provokation auf. Er warnte davor, die Offenbarung "zu rasch zu verstehen" - eine deutliche Absage an Fundamentalismen aller Art. Dem Argument der Beweislastumkehr hielt Lackner entgegen, Glaube sei keine Frage von Beweisen, sondern eine persönliche Entscheidung.
Der Quantenphysiker Anton Zeilinger nannte den Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion "überflüssig", eine Folge von Kompetenzüberschreitungen beider Parteien. Er halte Wissenschaft - und gerade seine Zunft - für durchaus kompatibel mit Religion.
















