Schwangere Frau mit Angst allein gelassen
Nach Beratungs-Hürdenlauf zum Thema Neue Grippe ist eine Schwangere "völlig verunsichert". Hausarzt schrieb sie krank, eine Woche später wurde sie von GKK-Chefarzt zur Arbeit "zurückgepfiffen".

Foto © Suprijono Suharjoto - FotoliaDie in der zehnten Woche schwangere Frau arbeitet in einem Kinderheim, in dem es zuletzt bei den Kindern und auch bei den Betreuern mehrere Fälle von Neuer Grippe (Schweinegrippe) gegeben hat
"Ich bin total verärgert darüber, wie da auf dem Rücken von mir als Schwangere informiert wird. Letztlich war wohl all der Wirbel um die Schweinegrippe nur Panikmache", sagt Martina Prelog. Die in der zehnten Woche schwangere Frau arbeitet in einem Kinderheim, in dem es zuletzt bei den Kindern und auch bei den Betreuern mehrere Fälle von Neuer Grippe (Schweinegrippe) gegeben hat.
Deshalb wandte sie sich erst an das Gesundheitsministerium um Rat einzuholen, sind doch Schwangere als Grippe-Risikogruppe eingestuft. "Man hat mir dort gesagt, dass ich mich nicht vor der 15. Woche impfen lassen kann und den Kontakt zu Grippekranken meiden soll", erzählt die Grazerin.
Sie wandte sich an ihren Frauenarzt, der sich wiederum bei der Gebietskrankenkasse (GKK) erkundigte. "Dort meinte man, der Arzt soll mich krank schreiben, was er auch tat. Immerhin könnte die Grippe bei mir als Frühschwangerer ja das Absterben meines Babys bewirken", sagt Prelog. Ihre Angst vor Ansteckung wurde angesichts dieser Informationen noch größer. Doch was dann folgt, lässt die junge Frau aber "total verunsichert" zurück.
"Blöde Geschichte"
Nach einer Woche Krankenstand pfeift nämlich ein GKK-Chefarzt Prelog wieder an ihre Arbeit zurück. Der Chefarzt will gegenüber der Kleinen Zeitung keine Auskunft geben, GKK-Pressesprecher Peter Staud begründet aber: "Wir können Leute ja nicht prophylaktisch in den Krankenstand schicken. Da sich bei der Frau der Verdacht auf Grippe nicht eingestellt hat, konnte sie nicht länger im Krankenstand verbleiben." Staud gibt aber zu, dass der konkrete Fall "eine blöde Geschichte" sei und verweist weiter an das Arbeitsinspektorat.
Dort bestätigt Manfred Friedrich die für Prelog "blöde Situation" und zeigt eine mögliche Lösung auf: "Wenn der Amtsarzt keine Gefahr feststellen kann, besteht die Möglichkeit, dass der Arbeitgeber der Frau einen Arbeitsmediziner feststellen lässt, ob für sie nicht ein vorzeitiger Mutterschutz möglich ist."
Bei Martina Prelog bleibt Entäuschung darüber, was ihr zugemutet wird: "Zuerst versetzen sie uns in Angst und verbreiten Panik. Und wenn dann die Krankenkasse eine Leistung erbringen soll, wird die Schweingrippe wie ein kleiner Schnupfen behandelt. Ich kann nur hoffen, dass meinem Ungeborenen nichts geschieht. Aber wenn, dann ist es ja quasi mein Pech."
Features
Wassermann-Neuhold, Leiterin der Impfstelle des steirischen Landessanitätsdienstes
1.Derzeit flacht die Kurve der Grippeerkrankungen ab. Wars das jetzt schon mit der Neuen Grippe?
MARIANNE WASSERMANN-NEUHOLD: Die Zahlen sind rückläufig. Dennoch bewegen wir uns noch immer auf hohem Niveau. Und was dann kommt, wenn kaltes und trockenes Wetter, das den Grippeviren sehr entgegen kommt, Einzug hält, wissen wir heute natürlich noch nicht.
2.Kritisiert wird immer wieder die Panikmache. Widersprechen der Aufregung nicht die überwiegend milden Verläufe?
WASSERMANN-NEUHOLD: Wir verbreiten keine Panik. Für den Einzelnen, bei dem die Grippe schwer verläuft, sind die getroffenen Maßnahmen ganz wichtig.
3.Für Schwangere bestehen besondere Risiken. Fehlt es, wie der Fall nebenan zeigt, an klarer Information?
WASSERMANN-NEUHOLD: Die Frau eine Woche in den Krankenstand zu schicken, war wohl nicht so sinnvoll. Es muss aber auch der Arbeitgeber darauf achten, dass die Frau nicht mit Kranken in Kontakt kommt.
Neues zur Neuen Grippe
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet bereits, dass die Neue-Grippe-Welle in Westeuropa ihren Höhepunkt überschritten hat. Auch in Österreich und der Steiermark flacht die Welle ab. Waren in Graz in der ersten Dezemberwoche noch knapp 3500 Personen an Grippe erkrankt, waren es in der Vorwoche nur noch 2750 .
Internationale Meldungen relativieren die Gefährlichkeit des H1N1-Virus: Eine britische Studie errechnete eine Sterberate von 0,026 Prozent der Erkrankten. In den USA starben bisher 10.000 bei 50 Millionen Erkrankten. Die Sterberate in den USA ist demnach 0,0002 Prozent.

















