"In diesem Land gibt das Nichts den Ton an"
Bühnenstar Helmuth Lohner ist ab Freitag im Schauspielhaus Graz zu erleben. Gespräch mit einem Theater-Kosmopoliten, über Politik, Betrug, Gott und die Bühnenwelt.

Foto © APAHelmuth Lohner
Herr Lohner, Sie waren in Graz 1964 als Hamlet zu erleben. Welche Gründe gab es für eine Rückkehr nach so vielen Jahren? Spielte da auch ein nostalgischer Wunsch eine Rolle?
HELMUTH LOHNER: Nicht böse sein, aber beides ist falsch und beides mag ich schon gar nicht mehr hören. Es ist keine Rückkehr. Durch mehrere Zufälle ergab sich halt ein neues Projekt.
Welche Zufälle waren es?
LOHNER: Ich erfuhr von englischen Freunden, dass es in London ein wunderbares neues Stück gibt. Es handelte sich um eine Bühnenversion von Sándor Márais Roman "Die Glut". Ich las den Text und fand ihn großartig. Wieder eher durch Zufall sprach ich bald danach mit Intendantin Anna Badora, die ich schon seit ihrer Ära in Düsseldorf sehr schätze, über das Werk. Auch sie war begeistert, also stehe ich jetzt hier.
Es handelt sich, wieder einmal, um eine Roman-Adaptierung. Über die Sinnhaftigkeit wird derzeit heftig diskutiert. Wie stehen Sie grundsätzlich dazu?
LOHNER: Eher ablehnend. Ich halte das für eine Mode-Erscheinung. Sie wird vergehen.
Das dachte Alfred Polgar vor 80 Jahren auch, als er über den Unfug wetterte, Bücher auf der Bühne zum Leben erwecken zu wollen.
LOHNER: Ja, ich weiß. Aber der Spuk war ja bald zu Ende, er wird es auch jetzt bald wieder sein. Und ich begrüße das. Wenn ich nur all meine lieb gewonnenen Freunde aus den Romanen von Thomas Mann nehme - ich kenne sie bis ins kleinste Detail. Nur treffen konnte ich sie bisher leider nicht. Aber als Bühnenfiguren möchte ich ihnen lieber doch nicht begegnen. Tatsächlich aber herrscht akuter Stückemangel. Gibt es ein gutes Thema, wird es sofort vom Fernsehen gefressen. Die Autoren hecheln hinterher und müssen im Eiltempo kurzlebige Werke schreiben. Für große Stoffe bleibt keine Zeit mehr.
Nun ist "Die Glut" eindeutig ein ganz großer, klassischer Stoff. Zentrales Thema ist ein möglicher privater Hochverrat. Und der alte General, den Sie spielen, will nach 41 Jahren endlich erfahren, ob ihn sein bester Freund mit seiner Ehefrau betrogen hat.
LOHNER: Ja, das ist eine klassische Konstellation. Aber wir haben auch noch einige Überraschungen und Pointen eingebaut.
















