Gutschelhofer: "Ich will klare Perspektive von Besetzern"
Uni-Rektor Alfred Gutschelhofer würdigt die gute Gesprächsbasis mit den Besetzern, will aber noch vor Weihnachten klare Entscheidungen.

Foto © ScheriauAlfred Gutschelhofer
Die Inskriptionszeit ist vorbei, wie sieht es mit dem Studentenansturm aus?
GUTSCHELHOFER: Wir haben etwa 26.000 Hörer, 2008 waren es 22.000 Hörer, ein Zuwachs von 17 Prozent. Erstzulassungen gibt es mehr als 4000, ein Plus von 23 Prozent. Besonders stark betroffen sind BWL, Pädagogik, Pharmazie und Jus. Kein System der Welt verkraftet einen Zuwachs um 15 Prozent.
Was sagen Sie zu den Besetzern und ihren Forderungen?
GUTSCHELHOFER: Ein wenig paradox ist es schon, wenn gerade an den beiden einzigen Universitäten Hörsäle besetzt wird, die freien Zugang gewähren. Nämlich die Technische Universität und wir. Denn Kunst-Uni, Medizin-Uni, die Fachhochschulen und die Montan-Uni aufgrund ihrer Lage haben faktisch Zugangsbeschränkungen. Ich sehe sehr viel Idealismus bei den Besetzern, aber wir tun uns mit der Methodik der Basisdemokratie schwer. Wir haben jedenfalls Gespräche geführt, und zwar sehr konstruktive. Denn wir haben uns gesagt, wir müssen die Anliegen ernst nehmen, ungeachtet der Politik. Es gibt etwa Arbeitsgruppen. Wir sehen aber keine Möglichkeit, gegen das Uni-Gesetz zu verstoßen, etwa beim Thema Mitbestimmung ohne Mitverantwortung.
Was erwarten Sie sich von den Besetzern?
GUTSCHELHOFER: Ich will von ihnen vor Weihnachten ein Verhandlungsmandat. Und ich will eine klare Perspektive, wie es weitergeht. Man muss ja deutlich sagen, dass die große Mehrheit der Studierenden weder die Österreichische Hochschülerschaft gewählt hat noch die Besetzer stellt.
Wie sieht es mit den Notfall-Millionen aus, die Minister Johannes Hahn versprochen hat?
GUTSCHELHOFER: Noch sind die Gelder nicht eingelangt, aber uns sind drei Millionen Euro zugesagt. Aber wir allgemeinen Universitäten erhoffen uns mehr, denn wir versorgen 65 bis 70 Prozent aller Studierenden, erhalten aber bei weitem nicht nicht so viel Geld. Aus dem eigenen Budget wollen wir 1,5 Millionen Euro umschichten.
Haben die Besetzungen insgesamt etwas bewirkt?
GUTSCHELHOFER: Die Besetzer haben etwas bewegt und das Bewusstsein um die Probleme in der Öffentlichkeit verstärkt. Allerdings muss man sagen, dass dies von den Rektoren schon lange und intensiv diskutiert wurde. Wir haben deutlich gesagt, welche Auswirkungen Maßnahmen wie Abschaffung der Studiengebühren haben werden. Wir befinden uns jetzt in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite bedingt die Wirtschaftssituation, dass mehr studieren. Auf der anderen Seite gibt es den Wegfall der Studiengebühren. Beides führt dazu, dass die Studentenzahlen einfach nicht planbar sind.
















