David lenkt ab jetzt den Goliath
Ein Aufstieg wie Phönix aus der Furche. Vor 15 Jahren war Steyr buchstäblich am Boden und wurde vom US-Konzern Case übernommen. Ab Montag ist mit Andreas Klauser ein Steyr-Mann der Steuermann beim Weltkonzern.

Foto © SteyrBei Case/Steyr weltweit am Steuer: Andreas Klauser
Rot-weiß-rot. Eigentlich ist es nur die Farbe, die beim Steyr-Traktor in den letzten 15 Jahren gleichgeblieben ist. Bei der heimischen Zugmaschine Nummer eins - immerhin trägt die Hälfte aller 400.000 in Österreich zugelassenen Traktoren das Logo mit dem Fadenkreuz - blieb kein Stein auf dem anderen, seit der Ausgliederung der ehemals brustschwachen Traktorsparte aus der Steyr-Daimler-Puch AG (aus ihr ist auch Magna Steyr in Graz hervorgegangen).
Als 1996 mit Case IH einer der größten Land- und Baumaschinenhersteller der Welt Steyr übernahm, prophezeiten viele den Untergang der rot-weiß-roten Marke Steyr, samt Traktorenwerk in St. Valentin. Die AUA lässt grüßen.
Doch es kam genau umgekehrt: In St. Valentin werden jetzt doppelt so viele Traktoren hergestellt wie damals, wobei zwei Drittel unter der Marke Case IH vom Band laufen. Und genau mit dem heutigen Tag übernimmt mit Andreas Klauser (44) ein Österreicher das Steuer beim Gesamtkonzern Case/Steyr weltweit. Der Maschinenbautechniker, der mit 25 Jahren bei Steyr begann, tritt als Präsident und CEO nun in der Konzernzentrale in Racine im US-Bundesstaat Wisconsin die Nachfolge des Amerikaners Randal W. Baker an.
Das ist insofern bemerkenswert, weil Steyr nur einen kleinen Bruchteil des Gesamtkonzerns ausmacht. Oder in Mitarbeitern ausgedrückt: In St. Valentin (mittlerweile Europazentrale für Case/Steyr) arbeiten 760 Leute, Klauser ist ab sofort aber für rund 10.000 Mitarbeiter verantwortlich - und für einen Umsatz von 5,5 Milliarden US-Dollar (3,7 Milliarden Euro), bis hin zur Herstellung von Mähdreschern und Baumwoll-Erntemaschinen.
Warum darf gerade der David den Goliath lenken? Klauser hat sich in den vergangenen zehn Jahren als Osteuropa-Verantwortlicher und seit zwei Jahren als Europachef von Case/Steyr einen guten Namen gemacht. Zum Chef bestellt hat ihn nun einer, den man aus der Autobranche bestens kennt: Fiat-Oberboss Sergio Marchionne. Denn seit 1999 steht Case/Steyr zusammen mit der Schwestermarke New Holland im Eigentum des Fiat-Konzerns.
In Österreich hat Klauser zuletzt zwei Krisen gemeistert. "Es musste in St. Valentin heuer trotz eines europaweiten Einbruchs um 17 Prozent kein Mitarbeiter gehen", wie er sagt. Auch ist Steyr seit 2008 wieder heimischer Marktführer, obwohl die Traditionsmarke zuvor mit "Lagerhaus" praktisch das ganze Vertriebsnetz verloren hatte und ein neues aufbauen musste.















