Das Leben mit dem HI-Virus
Am Dienstag ist Weltaids-Tag. In der Steiermark sind 912 Menschen HIV-positiv. Sebastian (34) lebt wahrscheinlich schon seit seinem dritten Lebensjahr mit dem HI-Virus.

Foto © Reuters/Sujet
Der erste Kuss ist Sebastians Grenze. "Dann ist es Zeit für ein Gespräch." Sebastian ist Bluter und muss regelmäßig Spritzen bekommen. So wurde er auch infiziert. Er ist neun Jahre alt, als die Ärzte seinen Eltern mitteilen, dass ihr Sohn HIV-positiv ist. "Ich habe da noch gar nicht mitbekommen, was das heißt. Mit neun Jahren versteht man das nicht." Erst vier Jahre später, als ihn sein Vater aufklärt, "sickert die Nachricht sukzessive". "Ich weiß noch genau, welche Lampe eingeschaltet war. Das Bild hat sich eingebrannt. Dein Leben hat ein Ablaufdatum, habe ich gedacht."
Damals war es für den 16-Jährigen eine "soziale Watschn", als die Mutter einer Schulkollegin forderte, er solle wegen seiner Infektion die Schule wechseln. "Das ist das soziale Aids." Mit 18 Jahren beginnt er seine Therapie. Anfangs muss er alle acht Stunden Tabletten einnehmen, neun am Tag. Zwei Stunden davor und eine danach darf er nichts Fettes essen. "Du kannst nicht durchschlafen und wenn deine Freunde Pizza essen, sitzt du daneben." Heutzutage seien die Medikamente "patientenfreundlicher".
Hoffnung kam mit Therapie
Sebastian nimmt heute zweimal am Tag Tabletten. "Früher habe ich Salat gegessen und er hat nach Marillenknödel geschmeckt oder ich habe in der Nacht das Leintuch wechseln müssen, weil ich so geschwitzt habe." Mit der Therapie kam aber die Hoffnung. "Plötzlich begann ich bei Häusern nicht mehr bloß das Parterre zu sehen, sondern auch, dass die Sonne mit den Dächern spielt und dass frisch gemähtes Gras gut riecht." Sexualität hat zu dieser Zeit "stattgefunden", aber "ohne tiefe emotionale Bindung". "Ich habe weiße Rosen verschenkt, aber keine roten. Ich lerne Menschen auch nicht in der Disco kennen. Man baut einen emotionalen Panzer auf, redet mit den Leuten viel über Randthemen, um vorzufühlen." Sebastian hat seit vier Jahren eine feste Freundin. Sie lässt sich alle drei bis sechs Monate testen. "Meine ehemalige Freundin führte ein Doppelleben wegen ihrer Familie. Da sieht man, was HIV nicht nur für einen selbst bedeutet, sondern auch für die Menschen, die mit dir leben."
Aber es gibt sie, die wahren Freunde. Einmal kam Sebastian nicht zum Fußballtraining. Ein Kollege rief an und fragte, was los sei. "Das wird wegen HIV sein, sagte ich. Er antwortete: Ach ja, das habe ich ganz vergessen. Das war das schönste Kompliment."
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Kommentar
HIV - Zahlen und Fakten
In Österreich sind 11.709 Menschen HIV-positiv.
In der Steiermark liegt die Zahl bei 912 Infizierten. (bis 1. 10. 2009)
Österreichweit wurden allein von Jänner bis September 2009 392 HIV-Infektionen diagnostiziert.
In der Steiermark waren es 52.
Bei der Aidshilfe Steiermark (Schmiedgasse 38/1, Graz) hat man Dienstag und Donnerstag von 16.30 bis 19.30 Uhr die Möglichkeit, einen anonymen und kostenlosen Aids-Test durchführen zu lassen.


















