Keine Erlösung in Sicht
Angst durch Überforderung: Ernst M. Binder inszeniert Sarah Kanes deprimierendes Stück "Zerbombt" im dramagraz.

Foto © dramagrazWerner Halbedl in "Zerbombt"
In Sarah Kanes erstem Drama "Zerbombt" wollen Sie die Mechanismen der Gewaltbereitschaft sezieren. Welche sind das?
ERNST M. BINDER: Im Stück sind zwei Personen einem herannahenden Bürgerkrieg ausgeliefert. Sie geben die bedrohliche Gewalt an den anwesenden Anderen weiter. Aber man kann anstelle von Bürgerkrieg auch Arbeitslosigkeit und drohende Verarmung setzen. Jede psychische Überforderung löst Aggressionen aus. Aber der Welt kann man sein Unglück nicht heimzahlen. Das ideale Objekt privater Aggression ist seit jeher der Mensch, den man liebt.
Sie suchen auch eine Verbindung zur griechischen Dramatik, speziell zu Sophokles' "Oedipus". Was hat diese Mythengestalt mit Kanes Kriegsfiguren gemein?
BINDER: Cate und Ian sind in eine Situation geraten, aus der es kein Entrinnen gibt. Ödipus ist eine antike Figur, die dafür steht, dass es kein Entrinnen vor dem Schicksal gibt, die Verbindung ist augenscheinlich. Nicht nur da wie dort enden die Protagonisten blind und ohne Hoffnung auf Erlösung.
Erwartet das Publikum ein statisches Sprechstück oder ein augenscheinlich brutaler Plot?
BINDER: In einem Interview sagte Sarah Kane: "Um Gewalt ist es mir nie gegangen, sondern immer darum, wie sehr diese Menschen lieben." Ich würde meine Arbeit mit diesem Satz überschreiben. Da stellt sich die Frage nach dem Wie? nur noch peripher. Da heißt es nur, Augen auf und durch!
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Fakten
Zerbombt. Von Sarah Kane. dramagraz, Schützgasse 16, Graz: Premiere Montag, 20 Uhr, Karten: Tel. (0 31 6) 26 22 42.
















