Wenn die Not am Zug ist
Jammer auf der Zugstrecke Graz-Linz: Nur ein (defektes) WC im Zug und verärgerte Gäste. Als Draufgabe: Ramponierte Garnituren und ein vergeblicher Wunsch nach Barrierefreiheit.

Foto © Helmut WeichselbraunPendler üben immer öfter Kritik an Zuständen in Zügen
Der neue ÖBB-Fahrplan tritt am 13. Dezember in Kraft. Die positive Meldung dazu wurde schon verkündet: Die zwei noch verbliebenen Direktverbindungen zwischen Graz und Linz bleiben dank der Zuwendungen des Landes erhalten. Das war's. Der Rest auf der Strecke ist triste ÖBB-Wirklichkeit. Umsteigen in Selzthal, mit Fahrzeiten von fast vier Stunden. Dazu anderes Ungemach.
Beispiel gefällig? Es ist ein Dienstag, der Eurocity 668 mit Abfahrt von Graz um 9.38 Uhr nach Linz nötigt in Selzthal zum Umsteigen vom bequemen und direkten Eurocity nach Bregenz (der wird ab 13. Dezember auch gestrichen) in den neuen Talent, der nach Linz weiterführt. Die Nahverkehrswunderwaffe von Bombardier in Diensten der ÖBB nimmt 200 Fahrgäste auf, hat jedoch nur ein WC. Die zwei Stunden Fahrzeit nach Linz werden auf dieser Reise so manchem Fahrgast zum "quälenden Verhängnis". Denn ab Spital am Pyhrn, rund 20 Minuten nach Selzthal, ist das WC wegen Verstopfung nicht mehr benutzbar.
"Herr Schaffner, ich muss jetzt aber dringend aufs WC", fleht eine Frau. Vergeblich. Die Verstopfung ist nicht zu beheben. Schließlich steigt die Dame in Windischgarsten aus. Bis zum Ziel Linz dauert es ihr zu lange.
"Man kann den Zugbegleiter fragen, ob der Zug im nächsten Bahnhof länger stehen bleiben kann", sagt ÖBB-Sprecher Walter Mocnik, von der Kleinen Zeitung mit dem Vorfall konfrontiert. Dieses Angebot des Schaffners bleibt hier aber aus.
Das Drängen immer ungehaltener werdender Pendler zeigte dann doch Wirkung. In Kremsmünster bekam man das verstopfte WC wieder flott. Der Talent steht ob seiner billigen Ausstattung (keine Fensterablage, enge Sitze, keine Mittelablage) immer wieder in der Kritik. Dass er zwischen Graz und Linz als "Intercity" geführt wird, spottet - finden Fahrgäste - jeder Beschreibung. Sogar Talent-Garnituren, an denen die Lackfetzen runterhängen, sind hier Normalzustand. "Das stammt von einer entfernten Sprayattacke", weiß der Schaffner.
"Kamikaze-Rampe"
Von der Fahrt mit dem Zug können der 18-jähriger Rollstuhlfahrer Martin Raith und seine Mutter Chantelle aus Judendorf-Straßengel nur träumen. Der neu gestaltete Bahnhof ist nur in Richtung Norden barrierefrei zugänglich. Nach Graz aber, wohin Raith öfter fahren möchte, gebe es "lediglich eine Kamikaze-Rampe" zum Bahnsteig, klagt Raith. Abhilfe wie ein Lift blieben nur Pläne, die an den Kosten scheiterten. Der ÖBB-Vorschlag, mit dem Bus zu fahren, sei kläglich: Nur wenige Busse seien barrierefrei.
















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