Ein Abo auf Hosenrollen
Die junge deutsche Mezzosopranistin Dshamilja Kaiser singt an der Oper Graz den Orlofsky in der "Fledermaus".

Foto © ScheriauDshamilja Kaiser
Dass die kleine Dshamilja, die ihren exotischen Vornamen der Begeisterung ihrer Eltern für den gleichnamigen Roman von Dschingis Aitmatov verdankt, Sängerin werden wollte, wusste sie schon vor der Matura. Heute ist die 27-jährige Wuppertalerin Mitglied des Grazer Opernensembles und kann als Mezzo nach der Magdalene in Wagners "Meistersingern" ab Sonntag als Prinz Orlofsky in der "Fledermaus" von Johann Strauß "Chacun à son goût" ("Jeder nach seinem Geschmack") brillieren.
Wie wichtig sind Gesangslehrer für eine Karriere?
DSHAMILJA KAISER: Ich studierte in Detmold bei der Amerikanerin Caroline Thomas, einer Amerikanerin, die etwa 2007 mit Placido Domingo die Sieglinde in "Walküre" gab. Ich lernte bei ihr Mozart zu singen, Koloraturen und Belcanto. Während des Studiums sang ich Haydn und Ravel, Händel und zur Diplomprüfung Bizets "Carmen". Die ist ja für später eine Traumrolle, aber nur, wenn sie als opera comique und nicht als Brülloper à la Verismo ausgelegt wird.
Und so landeten Sie bei den Hosenrollen und den alten Damen?
KAISER: Richtig, ich musste Marzellina im "Figaro" machen und die Mutter Cornelia in "Julius Caesar". Aber in meinem ersten Engagement in Bielefeld war ich dann schon der Sextus in Mozarts "Titus" und der Ratmir in Glinkas "Ruslan und Ludmila". Ach ja, die nächste Hosenrolle wartet schon: der Gymnasiast in Alban Bergs "Lulu" in Graz. Und dann bin ich noch in dieser Spielzeit die Mutter Teresa in Vincenzo Bellinis "La Sonnambula".
Da dürfen Sie Belcanto singen. Hätten Sie gerne mehr davon?
DSHAMILJA KAISER: Da macht mir auch die ganzheitliche Vorbereitung mit vielen Proben, viel Schlaf und kontrollierter Ernährung nichts. Wenn die Tessitura nicht fast zu tief für mich wäre, könnte ich mich durchaus als Rossinis "Tancredi" sehen, als Donizettis "Favorita", als Massenets Charlotte in "Werther".
Sie radeln stets mit dem Fahrrad in die Oper. Ist für Sie Ihr Beruf ein Leistungssport?
DSHAMILJA KAISER: Wenn ich keine Vorstellung habe, jogge ich, was das Zeug hält. Die Wälder rund um Graz sind ideal. Am Tag einer Vorstellung aber mach' ich nichts, da brauche ich meine Muskelkraft für den Abend. Als ich Sextus sang, habe ich am Abend drei Liter Wasser "verloren".
Leiden Sie unter Lampenfieber?
DSHAMILJA KAISER: "Chacun à son goût", wie Orlofsky singt. Für mich sind Premieren spannend, es überwiegt stets das Gefühl: "Ich will jetzt auf die Bühne!"
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Zur Person und Werk
Dshamilja Kaiser, geboren am 1. Jänner 1972 in Wuppertal/D.
Gesangsausbildung an der Hochschule in Detmold. Engagements in Münster, Schwerin und Bielefeld. Internationale Konzerttätigkeit. Seit dieser Saison Ensemblemitglied der Oper Graz.
"Die Fledermaus" von Johann Strauß. Regie: Stephen Lawless. Mit Herbert Lippert (Eisenstein), Arpiné Rahdjan (Rosalinde) u. a. Dirigent: Marius Burkert.
Premiere: 22. November, 19.30 Uhr
Karten: Tel. (0 31 6) 8000
















