Popzirkus für die Kleinen: The Dome
Wenn Tausende Kids und Teenies kreischen und toben, dann ist wieder "Dome"-Zeit: Die oft sehr begrenzte Haltbarkeit der Sternchen tut der Begeisterung der Fans unterhalb der Mündigkeitsgrenze keinen Abbruch. Stellen Sie sich vor, es ist "The Dome" und alle gehen hin. Betrachtung eines Pop-Phänomens.

Foto © ReutersLady Gaga: Zugegen bei The Dome 49 im Februar in Hannover
Sie kennen Cappuccino, Pinocchio, Mattafix, Banaroo, Vanilla Ninja und Blue Lagoon nicht? Sie wollen Bro'Sis, DJ Ötzi, Captain Hollywood und Rollergirl eigentlich gar nicht kennen? Ghetto People, Basic Connection und Q-Connection sagen Ihnen nichts mehr? Das ist herzlich egal, denn die Zielgruppe von "The Dome", knallbuntes Pop-Bonbon mit - im Unterschied zu vielen Acts in der Show - bemerkenswerter Haltbarkeit, ist ohnehin eine ganz andere: Jugendfrei, aber definitiv nicht spaßfrei ist die Chartshow eine für die Jungen und Jüngsten und hat doch selbst schon stolze 13 Jahre am Buckel. Wie geht das?
Initialzündung: 25. Jänner 1997
Was am 25. Jänner 1997 erstmals Kiddies in der König-Pilsener-Arena von Oberhausen in Vibrationen versetzte, wuchs sich zu einem popkulturellen Phänomen aus: 51 Sendungen später (die jüngste Auflage, also "The Dome 52" findet in Graz statt) kann man die Chartshow als Erfolgsprojekt bezeichnen. Dabei ist das Konzept der Sendung ein einfaches: Man nehme geeignete Großhallen in Deutschland und Österreich, rekrutiere verfügbare Interpreten aus den aktuellen Hitparaden - Bands, DJs und Solokünstler - und lasse zwischen den mehr oder (eher) weniger live dargebrachten Titeln angesagte Moderatoren in verschiedenen Kombinationen ans Mikrofon. Komprimierter Popschund zum Anfassen ist das, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Immerhin: Falls technisch machbar und erwünscht, kann man hier seit längerem auch live "performen" und seine umgeschnallte Gitarre auch tatsächlich einstöpseln. Heißt es.
Wenn in Graz ein gewisser Elton (nein, den müssen Sie nicht kennen) und die allgegenwärtige Mirjam Weichselbraun den Roten Teppich ausrollen, ist im fröhlich-lauten Musik-Kindergarten die Welt für ein paar Stunden in Ordnung: Die TV-Produktionsfirma "MME Me, Myself & Eye Entertainment" beliefert Fernsehsender (aktuell RTL II und Viva), Künstler machen Werbung für ihre neuesten Titel, und passend dazu stehen die "Sampler" mit der Musik zur Show im Geschäft und als Download bereit. Eine "Win-Win-Situation" also, und für die Zuschauer im Pubertäts-Nahebereich gibt es ohnehin nichts Größeres als mit ihren Stars auf Tuchfühlung zu gehen, so nahe das nun eben geht. Und gerade diese Zuschauer - wer darf, geht schon mal ohne Mama oder Papa hin - geben auch die perfekte Kulisse für die TV-Aufzeichnungen ab. "The Dome" ist vor allem fürs Fernsehen gemacht.
Die Euros rollen
Mirjam Weichselbraun erklärte die Faszination von "The Dome" einmal so: "Wenn man sich die Charts anschaut, spielt davon das Beste an einem Abend geballt auf einer Bühne. Was ich schön daran finde, ist, dass das Publikum einfach Lust hat. Das ist kein gelangweiltes Award-Publikum, die Kids freuen sich wirklich darauf. Das merkt man auch, wenn man es moderiert". Die Shows sind regelmäßig ausverkauft, die über Jahre optimierte Wertschöpfungskette funktioniert perfekt: Medien machen "Stars", die "Stars" treten bei "The Dome" auf, "The Dome" beschert den Veranstaltern einen hübschen Gewinn ("normale" Tickets kosten um die 40 Euro, für die Eltern gibt es billigere "Begleitpersonentickets", allerdings nur für die hinteren Ränge, man will ja im Fernsehen schließlich keine "alten Menschen" sehen) und jagt die Einschaltquoten der TV-Stationen nach oben. Die Kiddies nippen während der Show Soft-Drinks, kaufen brav die CDs der Künstler oder decken sich im offiziellen "Fanshop" ein. Natürlich angelt auch die Modewelt nach genau diesem Zielpublikum. "Macht auf das Geldtascherl, dann seid ihr cool".
Der Vorteil vieler Acts: Sie sind a priori so kurzlebig angelegt, dass die Sorge darum, ob das Zielpublikum auch mit ihnen mitwächst, völlig überflüssig ist: "Kinder, zieht euch was Anständiges an (oder wenigstens etwas, womit auch eure Eltern keine Probleme haben), heute gehen wir in den Pop-Supermarkt". Heute "abshaken", morgen vergessen. Der künstlerische Wert ist dabei drittrangig, das ist musikalischer Ramsch im Disko-Diskonter könnte man ätzen, doch letztlich macht es ja auch Spaß. Sogar einige etwas ernster zu nehmende Künstler beißen in den sauren Apfel und sind sich oft nicht zu schade, vor einem Meer kreischender Kinder herumzuhampeln: "Ich finde ich es irgendwie albern, sich aufgrund von ideologischen Überlegungen seine Möglichkeiten zu nehmen, die Leute zu erreichen", meinte einmal einer. Auch wieder wahr...
Features
Rückblick
Fotoserie
The Dome 52
Freitag, 20. November
Ort: Stadthalle Graz
Die Künstler: Cascada, Sarah Kreuz, Culcha Candela, Agnes, Nena, Queensberry, Glashaus, Scooter, DJ Ötzi, The Rasmus feat. Anette Olzon, Aura Dione, Stanfour, Eisblume, No Angels, Alex C. feat. Yass, Jeanette, diverse "Popstars"-Finalisten
Letzte Restkarten sind noch zu haben: Am Freitag ist die Tageskasse der Stadthalle bis 19 Uhr geöffnet. Insgesamt werden 8.000 Fans erwartet.

















