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Zuletzt aktualisiert: 11.11.2009 um 05:33 UhrKommentare

Der Hilfeschrei der Grazer Chirurgen

Schauplatz Chirurgie an der Uniklinik. Das Gebäude in dem täglich Menschenleben gerettet werden, verfällt im Vollbetrieb. Der Neubau wird immer dringlicher.

Karlheinz Tscheliessnigg, Vorstand der Chirurgie , kämpft seit zwölf Jahren um "sein" Haus

Foto © KLZ DIGITAL/KanizajKarlheinz Tscheliessnigg, Vorstand der Chirurgie , kämpft seit zwölf Jahren um "sein" Haus

Es sieht hier so aus wie in einer Lagerhalle. Stapelweise Schachteln in den Gängen, auch in den Intensivstationen. Arbeiter zwischen Patienten und Klinikpersonal. Wo früher Gänge waren, sind Holzverschläge. Täglich ändern sich die Wege durchs Haus. Vertikale Schächte werden repariert. Manchmal wird der Lärm zur Nervenprobe. Und das Ärgste daran ist: Alles nur Sanierungen und alles erst der Anfang.

Karlheinz Tscheliessnigg, Vorstand der Chirurgie, kämpft seit zwölf Jahren um "sein" Haus doch langsam macht sich Verzweiflung in ihm breit. "Nach den vertikalen Rohren werden die horizontalen saniert. Aber dort ist alles kaputt, die Rohre gibt es gar nicht mehr, die Gülle rinnt auf dem Estrich. Was das heißt, wissen wir." Vor drei Jahren brachen Fäkalien durch die Decke, ein ganzer OP-Trakt mit sechs Operationssälen musste evakuiert werden, der Dreck stand den Leuten bis zu den Knien. "So etwas kann jeden Moment wieder passieren." Doch das ist längst nicht alles. Tscheliessnigg befürchtet ein viel schlimmeres Szenario: Die Evakuierung des gesamten Gebäudes.

Horror-Szenario

"Ein geheimes Gutachten besagt, dass die gesamte Chirurgie im Jahr 2012 zu räumen ist, denn die Stützen rosten vor sich hin. Und ich verstehe nicht, warum diese Gutachten nicht hergezeigt werden. Wir hatten 2006 einen Monsterkurzschluss und ich rechne damit, dass ich nächstes Jahr die Hälfte aller OPs stilllegen muss, um all die Sanierungs- und Rettungsmaßnahmen zu gewährleisten. Zwei Millionen Euro werden jährlich investiert, nur um den Ist-Stand irgendwie zu erhalten. Dabei fehlen uns 32.000 Quadratmeter an Fläche, wir arbeiten unter engsten Bedingungen. Im Schockraum, dort wo die Schwerstverletzten als erstes hinkommen, steht ein fast 40 Jahre altes Röntgengerät, das ein paar Bilder macht. Mir ist also ganz einfach schleierhaft, wie wir hier den Betrieb aufrechterhalten wollen, ohne sofort das Projekt LKH 2020 in Angriff zu nehmen. Wie stellen sich die Politiker das vor? Wien bietet seit dem Vorjahr 33 Prozent, die Steirer wollen 40 oder mehr. Alles was die Politiker seitdem tun, ist Bockschauen. Sonst nichts."

Das einzige, was den 63-Jährigen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, sind seine Mitarbeiter. "Es ist erstaunlich, mit welchem Optimismus und welcher Flexibilität hier alles gemeistert wird. Man muss sich vorstellen, das Team arbeitet in einer Baustelle."

Man kennt die Chirurgie auch, weil "help"-Plakate an der Fassade hängen. Und man hat das Gefühl, Vorstand Tscheliessnigg würde selbst "help" schreien, wenn es etwas bringen würde. "Aber ich weiß nicht, was ich noch tun soll. Ich war in allen Medien dieses Landes. Sämtliche Politiker waren hier und vergessen alles gleich wieder. Aber dieses Haus fällt zusammen und keiner hilft uns. Ich stelle also die alles entscheidende Frage: Wer übernimmt die Verantwortung, wenn hier etwas passiert?"

ROBERT PREIS

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