Ein ganz normaler Tag mit den ÖBB
Drei kaputte Ticket-Automaten, ein Frühstück, das schon wieder teurer geworden ist, und Rolltreppen, die streiken.

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Montag früh. Ich muss um 9 Uhr in Wien sein. Gut, dass es den EC 550 gibt, der um 5.40 Uhr in Graz abfährt und um 8.18 Uhr in Wien-Meidling ankommt. Als ich fünf Minuten vor halb sechs am Bahnhof ankomme, sind die Fahrkartenschalter noch geschlossen. Kein Problem, es gibt Ticket-Automaten. Die ersten drei sind kaputt - sie nehmen keine Karten. Beim vierten klappt's. Die Rolltreppe, die zu den Bahnsteigen führt, ist außer Betrieb. Aber man hat ja Beine.
Am Bahnsteig die erste freudige Überraschung: Der EC hat tatsächlich den im Fahrplan vorgesehenen Speisewagen. Da ich in den letzten zwei Jahren Zigtausend Kilometer mit den ÖBB gefahren bin, weiß ich, dass das keineswegs die Regel ist: Speisewagen werden zwar angekündigt - sind dann aber aus "betrieblichen Gründen" nicht vorhanden. Am Anfang meiner intimeren Beziehung zu den ÖBB war ich noch so naiv, mich darüber aufzuregen. Ich solle das Kleingedruckte lesen, beschied man mich beim ersten Mal. Dort stehe schwarz auf weiß, dass die Angaben "ohne Gewähr" seien. Da der damalige Zugbegleiter höflich war und die Fahrbedingungen schließlich nicht auf seinem Mist gewachsen sind, habe ich meine aufmüpfige Antwort unterdrückt: Immerhin hatte ich meinen Fahrpreis "mit Gewähr" bezahlt.
Ich bestelle ein "City-Frühstück" und stelle fest, dass es zum zweiten Mal in diesem Jahr teurer geworden ist. Diesmal um 7,2 Prozent. Dafür muss der nächste Fahrgast, der am Nebentisch Platz nehmen will, sofort wieder aufstehen: "Dieser Tisch ist kaputt, suchen Sie sich bitte einen anderen", ruft der Steward. Er wird es noch mehrmals rufen.
Ab dem Semmering gibt es keine warmen Getränke mehr. Der Strom für die Küche ist weg. Ich lächle überlegen: Das kenne ich. Viele Male war auch schon der Strom für die Lokomotive weg. Wir sind dann 20 Minuten gestanden oder eine halbe Stunde.
Auch diesmal steht der EuroCity zweimal auf der freien Strecke. "Wissen Sie", hatte schon vor zwei Jahren ein Bahnbediensteter gesagt, der vermutlich nicht genannt werden möchte, "das kommt davon, dass wir Jahrzehnte hindurch nichts investiert haben. Weder in die Stromleitungen, noch in die Schienen." Warum es dann schon damals das berühmte ÖBB-Defizit gegeben habe, frage ich. Ja, sagt er, das waren die hohen Personalkosten und Pensionen. Da wurde investiert - man merkt, dass die ÖBB Jahrzehnte hindurch von Betriebsräten geführt worden sind.
Wir sind nahezu pünktlich in Meidling. Die Lokführer haben gelernt, mit den Versäumnissen der ÖBB umzugehen. Andere offenbar auch. Noch im Zug lese ich, dass der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende vom Aufsichtsratsvorsitzenden ein Honorar von 100.000 Euro erhalten hat. Wofür, weiß man nicht genau. Ich nehme an, als Schmerzensgeld. Der Unglückliche dürfte zum ersten Mal mit einem EuroCity auf der Südbahnstrecke gefahren sein. Es wird vermutlich nicht mehr vorkommen.
Im Übrigen war auch die neue Rolltreppe am Meidlinger Bahnhof außer Betrieb. In der DDR, an die jetzt so viel gedacht wird, wären solche Ereignisse von Staats wegen als Übungen zur Volksgesundheit dargestellt worden. Fürsorglich angeregt von Margot und Erich Honecker. Aber wir haben ja keine Honeckers.















