Neue Grippe: Grazer Umweltmediziner rät zu Impfung
Besonders Kleinkinder sind von der zweiten Erkrankungswelle betroffen. Egon Marth, Vorstand des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Umwelthygiene an der Medizinischen Universität Graz, ist für hohe Durchimpfungsrate.

Foto © KLZ DIGITAL/BauerDas Virus sei nicht so harmlos - Es könne zu einer Zerstörung von Lungengewebe führen
"Die zweite Welle der Influenza H1N1 steht vor der Tür. Die Impfung gewährleistet einen hohen Schutz und hat praktisch keine Nebenwirkungen." Egon Marth, Vorstand des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Umwelthygiene an der Medizinischen Universität Graz, sprach sich am Wochenende am Rande des "Karl Landsteiner Meeting" der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie für eine möglichst hohe Durchimpfungsrate in Österreich aus.
Die Antigen-Komponente im Impfstoff sei relativ niedrig, das Immunsystem reagiere durchweg sehr gut, sagte Marth im Gespräch mit der APA. Statistiken aus den USA zeigten, dass von der zweiten Erkrankungswelle Kleinkinder stark betroffen seien. In dieser Gruppe gebe es auch die meisten schweren Erkrankungsverläufe. Das sollte man sehr ernst nehmen.
"Das Virus ist nicht so harmlos", meinte der Mediziner. Es könne zu einer Zerstörung von Lungengewebe führen. "Sehr viele Kleinkinder sind Träger von Pneumokokken. Wenn dann die Influenza dazu kommt, ist der Weg zur Superinfektion gelegt", warnte Marth. Er selbst habe sich schon impfen lassen: Weil selbst wenn die Krankheit mild verlaufe, wolle er nicht eine Woche krank sein.
Im Sommer wären die H1N1-Erkrankungsfälle in Österreich hauptsächlich auf Reisen zurückzuführen gewesen. Es habe kaum Infektionsketten in Österreich gegeben, sagte Franz Xaver Heinz, Vorstand des Klinischen Instituts für Virologie an der Medizinischen Universität Wien: "Das hat sich seit der letzten Woche geändert. Wir können in Österreich von einer Epidemie sprechen." Während im Sommer die meisten Erkrankten in der Altersgruppe zwischen 15 und 34 Jahren waren, seien derzeit die Fünf- bis 14-Jährigen am stärksten betroffen.
Otfried Kistner vom Pharma- und Biotech-Konzern Baxter berichtete über die Herstellung des Influenza-Impfstoffs. Seit den 1940er-Jahren wurden dafür früher bebrütete Hühnereier benutzt. Der Impfstoff wurde in den Eiern kultiviert und dann "geerntet". Für weltweit benötigte 400 bis 450 Millionen Dosen des Influenza-Impfstoffs seien 700 bis 800 Millionen Eier notwendig. Das Herstellungsverfahren sei sehr aufwendig und die nötige Kapazität nicht zuletzt durch die Vogelgrippe gefährdet gewesen.
Die neue Generation an Influenza-Impfstoffen wird auf Basis von Verozell-Kulturen hergestellt. Dabei wird eine ständig nachwachsende Zelllinie im Labor kultiviert. Damit stehe ein serum- und proteinfreies Medium zur Verfügung, dass sehr sicher sei und für die verschiedensten Impfstoffe - unter anderem auch A(H1N1) - verwendet werden könne, erläuterte Kistner.















