Mord in Graz: Geständnis war 300.000 Euro wert
Grazer Lehrer soll an bestialischem Mord an Pensionisten im Jahr 2003 beteiligt gewesen sein. Ein wegen der Tat zu 20 Jahren Haft verurteilter Kurde behauptet, er sei für sein Schweigen bezahlt worden.

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Nach fast genau sechs Jahren nahm ein spektakulärer Mordfall in Graz nun eine dramatische Wendung. Weil er seinen Quartiergeber im November 2003 mit 80 Messerstichen getötet haben soll, wurde der Kurde Abdurrahim P. (damals 24) zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Seit Sonntag sitzt ein möglicher Mittäter in Haft. Ein Grazer Lehrer (55) soll an der Tat beteiligt gewesen sein und den Kurden dafür bezahlt haben, dass er die Alleinverantwortung übernimmt.
Hingerichtet
Der 58-jährige Roland A. war in der Nacht auf den 16. November 2003 in seiner Wohnung regelrecht hingerichtet worden. Drei Messer steckten noch in seinem Körper, ein abgetrennter Daumen im Mund, als er tags darauf gefunden wurde. Stunden später wurde der Asylwerber Abdurrahim P. verhaftet, er hatte des öfteren beim Mordopfer übernachtet. Auch in jener Nacht. Da soll sich der 58-Jährige seinem Gast sexuell genähert haben. Aus Notwehr habe der Kurde zugestochen. Das sagte er beim Prozess 2004, in dem er zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.
Zwei Jahre später beantragte er die Wiederaufnahme und brachte erstmals einen möglichen Mittäter ins Spiel. Abgelehnt. "Damals gab es noch zu wenig Anhaltspunkte", sagt Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Heuer im Mai der nächste Antrag. Hubert Miedl und Wolfgang Maier von der Mordgruppe des Landeskriminalamts griffen den Fall auf und förderten neue Indizien zu Tage. Wie etwa regelmäßige Überweisungen (insgesamt 50.000 Euro) auf das Konto des Kurden. Das Geld kam von Johann W., 55 Jahre alt, AHS-Lehrer aus Graz, verwitwet, bekennender Zeuge Jehovas. Abdurrahim P. war sein Schützling gewesen, er hatte den einstigen Moslem zu dem neuen Glauben bekehrt.
Als der Lehrer in der Mordnacht seinen Schützling in der Wohnung des späteren Opfers ablieferte, soll der Pensionist ihn und seine Glaubensgemeinschaft wüst beschimpft haben. Dann sei die Situation eskaliert. "Der Kurde sagt, er habe zwar am Anfang zugestochen. Aber die tödlichen Stiche habe der Lehrer gesetzt", so Bacher. Nach der Bluttat hätte Abdurrahim P. für 300.000 Euro die Alleinschuld auf sich nehmen und ins Gefängnis gehen sollen. Obwohl ihn die Indizien schwer belasten, streitet Johann W. alle Vorwürfe ab.
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Im Frühjahr 2009 hatte der inhaftierte Kurde eine Wiederaufnahme seines Verfahrens beantragt und seine damalige Vertrauensperson - einen heute 55 Jahre alten Grazer - der Mittäterschaft bezichtigt. Nach Ermittlungen des Landeskriminalamtes wurde dieser am Sonntag in Verwahrungshaft genommen.
Im Zuge der Ermittlungen wurde ein Geldfluss von rund 50.000 Euro vom Verdächtigen an den Verurteilten - auf dessen Gefängniskonto bzw. an Verwandte in der Türkei - nachgewiesen.

















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