Millionenschweres Grazer Frachtjet-Projekt steht seit Monaten
Financiers sind abgesprungen, es gibt aber weiterhin Gespräche mit russischen Partnern. Die Standortfrage sei auch von diesen abhängig, außer Graz-Thalerhof war zuletzt auch der Flughafen Wien-Schwechat im Gespräch.

Foto © Flughafen Graz
Das Projekt eines Luftfahrttechnikzentrums in Graz-Thalerhof zum Umbau russisch-ukrainischer Frachtflugzeuge vom Typ Antonov An-124-100 steht seit Monaten. Auch wenn der Geschäftsführer des Projektbetreibers LFT, Hartmut Funtan, sich am Mittwoch nicht zu einem Ende des Vorhabens äußern wollte, zweifeln Beobachter daran, dass das ursprünglich mit einer 700-Millionen-Euro-Investition angekündigte Projekt noch abhebt.
Auf die APA-Anfrage, ob das Projekt stillgelegt sein, meinte Geschäftsführer Funtan: "Stillgelegt insofern, als es keine wirklichen wirtschaftlichen Fortschritte gibt, nicht stillgelegt dahingehend, dass die Entwicklung weitergeführt wird und man aus den bisherigen Aktivitäten wertvolle Erfahrungen gesammelt hat." Der weststeirische Unternehmer Manfred Kainz, der mit seiner gleichnamigen GmbH 33,3 Prozent am Projektbetreiber Luftfahrttechnik Projektentwicklungs GmbH (LFT) hält, wollte dazu nichts sagen.
Wirtschaftskrisenbedingt gebe es in der Sache nicht viel neues, räumte Funtan ein. Es habe in der Vergangenheit Gespräche mit den russischen Partnern geben, die Standortfrage sei auch von diesen abhängig, denn "die zahlen ja mit". Außer Graz-Thalerhof war zuletzt auch der Flughafen Wien-Schwechat im Gespräch.
Man stehe mit Entwicklungsunternehmen in Nordamerika in Verbindung, und habe nach wie vor gute Kontakte zur Israel Aerospace Industries (IAI). Seitens der zuständigen IAI-Tochtergesellschaft habe man sich aber noch nicht geäußert. Die IAI ist unter anderem bekannt dafür, Militärgerät der früheren Warschauer Pakt-Staaten einer Kampfwertsteigerung zu unterziehen und auf westliche Standards umzurüsten.
Kern des Projekts sei jedenfalls die Fortsetzung der Kooperation mit den russischen Partnern. Wann nun ernsthaft begonnen werden könne, lasse sich nicht sagen. Zeit sei aber, denn "das Produkt hat ja keine Mitbewerber". Funtan bestätigte auf Anfrage, dass die bei Präsentation des Vorhabens im Oktober 2007 genannten Investoren - ein türkisch-britisches Finanzkonsortium und die steirische RLB Beteiligungs- und Treuhandgesellschaft mittlerweile nicht mehr mit an Bord seien.
Das Vorhaben hatte ursprünglich vorgesehen, Frachtflugzeuge vom Typ Antonov An-124-100 Ruslan (Nato-Code "Condor") im Bereich des in Zukunft zu Verkauf stehenden Bundesheer-Fliegerhorstes Thalerhof auf westliche Standards umzurüsten. Von dem Typ, der zusammen mit der Boeing C-17 "Globemaster" zu den größten strategischen Transportjets der Welt zählt, sind bisher rund 60 Stück gebaut worden. Etwa 55 stehen im Einsatz, bei privaten Firmen, den Luftstreitkräften Russlands und der Ukraine sowie im Leasing-Programm SALIS (Strategic Airlift Interim Solution) von Nato und EU.
















