Der Teufel und seine Sünden
Jesse Hughes, der Mann, der den Schnauzer wieder im Mode gebracht hat, nahm sich im Rahmen des Graz-Konzerts seiner "Eagles Of Death Metal" Zeit, um über seine Vision zu sprechen: Eine heile Welt, ohne Klimawandel, dafür aber mit jeder Menge Drogen und verdammt viel gutem Sex.

Foto © Sebastian KrauseDer Undurchschaubare und seine Antworten: Jesse Hughes
Was fällt dir zu Österreich ein?
JESSE HUGHES: Falco! "Rock Me Amadeus" war der erste fremdsprachige Song, den ich bewusst wahrgenommen habe. Das war der Ursprung meiner Liebe zum Rock ´n´ Roll. Dieses Musikvideo is großartig, es gibt bis heute kein Besseres. Es ist verdammt schade, dass er sterben musste, aber er starb auf dem Weg zu einem Musikfestival - was für ein Tod.
Und ich mag eure Sprache. Vor allem das Wort "stinksauer", das klingt so hart. Wenn dir das jemand an den Kopf wirft musst du einfach Respekt haben.
Willst du mit deiner Musik auch eine Botschaft vermitteln?
JESSE HUGHES: Ja, ich mache Musik um die globale Erwärmung zu stoppen und um alle Frauen dieser Welt von der Unterdrückung der Männer zu befreien (lacht). Nein, ernsthaft, ich will einfach nur Spaß haben. Es ist mir wichtig, dass die Leute gerne zu den Konzerten kommen und eine gute Zeit mit mir haben. Ich will auch keinen eigenen Stil kreieren. Ich liebe Rock 'n' Roll, dass ist alles. Als Kind hatte ich es oft nicht leicht. Ich war immer der, dem das Jausengeld geklaut wurde. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass es den Leuten um mich herum gut geht. Ich will auf keinen Fall selbst so ein Arschloch werden. Bei den Konzerten rufen wir gemeinsam den Teufel an, alles vibriert und vielleicht geht jemand schwanger nach Hause. Ich will die Leute geil machen.
Eines deiner Alben heißt "Death By Sexy". Wie definierst du das Wort sexy?
JESSE HUGHES: Ich glaube eine "sexy"-Situation ist leicht zu finden und unmöglich zu finden. Das macht dieses Wort so rätselhaft. Vieles kann sexy sein: Ein Mann, der Holz hackt, eine Frau, die verlegen mit dem Fuß scharrt, eine Schlägerei oder ein Konzert. "Sexy" ist eine Einstellung, wie Rock 'n' Roll.
Dein Schnurrbart ist dein Markenzeichen. Was bedeutet er dir? Glaubst du, dass ein Schnauzer aus der Mode kommen kann?
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Foto © Sebastian Krause
JESSE HUGHES: "Mustaches may go out of vogue, but vogue never goes out of the mustache": Tom Selleck ist nur wegen seines Schnurrbarts Tom Selleck. Ich trage den Bart nun seit zehn Jahren, aber es war kein erklärtes Ziel von mir, einen Bart zu tragen. Eines Tages bin ich mit Lederhandschuhen, dem Schnauzer und einem Umhang aufgewacht, und ich habe keine Ahnung woher das alles kam (lacht).
Bist du religiös?
JESSE HUGHES: Ja, bin ich. Ich habe einen starken Glauben. Ich glaube an Jesus, aber ich komme in die Hölle. Ich liebe es eben Regeln zu brechen. Natürlich glaube ich nicht jeden Blödsinn, den uns die Kirche verkaufen will, aber es gibt einen Gott.
Was gibt es in deinem Leben außer Sex, Drogen und Rock ´n´ Roll?
JESSE HUGHES: Jeder braucht ein wenig Routine im Leben. Du kannst nicht immer nur Drogen nehmen. Ich wollte nie aufhören mit den Drogen, aber ich versuche mich auf andere Sachen zu konzentrieren. Wenn ich keine Musik mache, bin ich Vater und zwar der verrückteste der ganzen Schule. Ich bin auch gerne in der Wüste. Ich liebe meine Familie, meine Waffen und meine Freiheit.
Bist du verheiratet?
JESSE HUGHES: Noch nicht, aber bald.
Wirst du deiner Frau treu sein?
JESSE HUGHES: Absolut, das macht mich auch an.
Woher kommen die Texte zu deinen Songs?
JESSE HUGHES: Das Leben ist meine Muse, also spiegelt sich mein Leben in den Songs wider. Natürlich spielt Liebe eine Rolle. Viele meiner früheren Songs habe ich für eine Frau geschrieben. Und das hat sich auch ausgezahlt. Ich bekam den besten Blowjob meines Lebens (lacht). In dem Song "I Want You So Hard" gibt es die Zeile "Leave him alone girl, the boy's bad news". Das ist tatsächlich passiert. Ich wollte eine Frau treffen und einer meiner Freunde hat zu ihr gesagt, ich wäre nicht gut für sie. Da hab ich mir gedacht, das verwende ich in einem Song, um die Frau rumzukriegen. Und es hat wunderbar funktioniert (lacht).
Was hältst du von Politik?
JESSE HUGHES: Ich interessiere mich schon für Politik, aber nicht für die Geschäftemacherei, die dahinter steckt. Das Gesundheitswesen in Amerika ist nicht schlecht. Niemand kann erwarten, dass es etwas umsonst gibt. Die Kluft zwischen Armut und Reichtum wird weiter wachsen, das ist natürlich schlimm, aber was kann man dagegen unternehmen? Ich bin froh, dass Obama unser Präsident ist. Ich vertraue ihm. Was Politik in meinen Songs angeht, so versuche ich, meine Meinung draußen zu lassen. Meinungen sind wie Arschlöcher: Jeder hat eines und sie stinken alle. Aber lass uns von etwas anderem reden.
Wie seid ihr denn zu eurem Namen gekommen? Ihr spielt doch keinen Death Metal.
JESSE HUGHES: Josh Homme (Bandleader der Queens Of The Stone Age, Anm.) und ich waren in einer Bar. Der Song "Wind Of Change" wurde gerade gespielt. Ein Typ kam zu uns und wollte uns erzählen, das sei Rock 'n' Roll. Wir lachten und Josh sagte, es sei sogar Death Metal, die Eagles of Death Metal. Später in der Nacht saßen wir mit ein paar Leuten in einem Bus und rauchten Gras. Ein Typ wollte unbedingt härtere Musik hören und legte "Vader" ein. Josh meinte daraufhin, das sei Pussy-Musik. Er wollte richtigen Death Metal. Wieder fiel die Phrase "Eagles of Death Metal" als Gleichnis für einen puren, unverfälschten Musikstil. Das hat mir gefallen. Wir spielen zwar keinen Death Metal, aber wir wollen das Konzept dahinter übernehmen und puren, unverfälschten Rock spielen.
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"Anything you want, baby": Mister Hughes in AktionFoto © Sebastian Krause
Bandgeschichte
1998 anfänglich mit Queens-of-the-Stone-Age-Frontmann Josh Homme am Schlagzeug im Zuge einer Aufnahme für die Desert Sessions gegründet, wechselte die Besetzung ab 2004 ständig. So wirkten unter anderem Tim Van Hamel von der Band Millionaire (Gitarre), Dave Catching (Gitarre), Joey Castillo (Schlagzeug, Queens of the Stone Age) und Samantha Maloney (Schlagzeug, Ex-Mötley Crüe, Hole) vor allem bei Liveauftritten mit.
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Fließende Grenze zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß, Politik und SexFoto © Sebastian Krause




















