"Es sind die Patienten, die leiden"
Pflegedirektoren schlagen bei Tagung in Graz Alarm: Es drohe Pflegenotstand. AMS will indes mit einer Ausbildungs-Stiftung im Pflegebereich Abhilfe schaffen.

Foto © APA/SujetDie Palette der AMS-Pflegeabschlüsse soll vom Pflegehelfer bis zur Diplomsozialbetreuerin reichen
Pflege sei zur reinen Akkord-Arbeit verkommen, schlägt der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) bei seiner Österreichkonferenz im Grazer LKH West Alarm. Ständig werde Personal gekürzt. Die Arbeit, die zu erledigen ist, bleibe gleich, das restliche Personal sei überlastet und so steige die Fehleranfälligkeit rapide an. "Man kann nicht Personal streichen, ohne die Strukturen grundlegend zu ändern", so Ursula Frohner, Präsidentin des ÖGKV Österreich. "Es ist eine Spirale, die sich immer weiter nach unten dreht. Die Pfleger können nicht mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingehen. Deshalb nehmen auch die Beschwerden zu, denn es sind die Patienten, die leiden."
240 Stellen sind im Pflegebereich laut AMS derzeit in der Steiermark zu besetzen. Diese Stellen seien zwar relativ krisenresistent, aber wenig attraktiv. Deshalb gibt es für den Verband vor allem zwei Problemfelder, die grundlegend überarbeitet werden müssten: Ausbildung und Image. Frohner: "Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Man muss das Berufsbild aufpolieren. Das geht vor allem durch die passenden Ausbildung." Darum fordert der Verband eine flächendeckende Ausbildung auf FH-Niveau. Frohner: "Wir befinden uns in einer Bildungs-Sackgasse." Der Meinung ist auch Cäcilia Petek, steirische Landesvorsitzende des ÖGKV: "Die Leute bleiben im System stecken. Gefragt sind Leute mit Herz, Hirn und Verstand, die arbeiten, organisieren und Verantwortung übernehmen können." Könne man nicht mehr Menschen für die Pflege begeistern, werde Österreich ein akuter Pflegenotstand drohen.
Arbeitslose in die Pflege
Zwei Fliegen mit einer Klappe möchte das Land Steiermark gemeinsam mit dem AMS schlagen. Pflegemangel und Arbeitslosigkeit will man mit einer Ausbildungs-Stiftung beikommen. Gestern stellten Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser und AMS-Chef Karl-Heinz Snobe das Projekt vor, in dem Arbeitslose für den Pflegebereich qualifiziert werden. Bis 2011 sollen 240 Personen zu Fachkräften ausgebildet werden. Die Palette reicht vom Pflegehelfer bis zur Diplomsozialbetreuer. Kosten: 1,2 Millionen Euro. Der ÖGKV steht der Stiftung aber kritisch gegenüber: "Man muss pflegen wollen."
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"Pfleger wichtiger als Sozialhilfe"
Der Ruf nach mehr Geld für die Bezieher der heutigen Sozialhilfe und der künftigen Mindestsicherung sei "das falsche Thema" im Sozialbereich, so der ÖVP-Abgeordnete Gregor Hammerl. Viel wichtiger sei es, dass es im Pflegebereich mehr Personal gibt. Deshalb unterstützt Hammerl, der der Sozialorganisation Hilfswerk mit 870 Beschäftigten vorsteht, die nebenstehende Initiative.
Hammerl sieht einen weiteren Zusammenhang zwischen der Pflegeproblematik und der Mindestsicherung. Weil gerade in der mobilen Altenpflege fast nur Halbtagskräfte eingesetzt werden, seien die Gehälter hier dementsprechend niedrig.
Während viele laut nach einer Erhöhung der Mindestsicherung von 733 Euro im Monat rufen, komme eine Diplomschwester laut Kollektivvertrag bei Halbtagsarbeit nur auf 817 Euro netto, ein Pflegehelfer auf 701 und eine Heimhilfe auf 592 Euro. Das seien Relationen, die niemand verstehe, so Hammerl. Und die niedrige Bezahlung sei auch das Hauptargument dafür, dass sich zu wenig Steirer für eine Ausbildung und einen Beruf im Pflegebereich entscheiden.
















