Keine Rose für Herrn Schiller
"Kabale und Liebe" am Grazer Schauspielhaus: Vom Versuch, ein sozialkritisches Trauerspiel auf die Bühne zu heben. Dort bleibt es aber kalt.

Foto © KKAndrea Wenzl, Thomas Frank und Sebastian Reiß
Kabale und Liebe" ist in den letzten Jahren kaum adäquat inszeniert worden. Die gesteigerte Empfindung Ferdinands und seiner Luise scheint heute schwer erreichbar." - Das konnte man nicht jüngst in einer Theaterzeitschrift lesen. Der Satz entstammt dem Anfang der 1960er-Jahre erschienenen Wälzer "Welttheater".
Am Grazer Schauspielhaus wurde Schillers Trauerspiel zuletzt in der Ära Marc Günther gegeben (1991), Intendantin Anna Badora hat es nun vielleicht wie der als Bildungsauftrag für Schulklassen gesehen, denen es bei dieser Aufführung aber schnell fad werden könnte. Obwohl Sprechen & Turnen auf dem Stundenplan steht, wozu das gelungene Bühnenbild von Franziska Rast Gelegenheit gibt. Und ihre Schwester, Regisseurin Christina Rast, einiges komprimiert hat.
Doch Schillers Sprache vermag in dieser Inszenierung keinen Sog zu entwickeln. Bei Thomas Frank als Präsidentensohn Ferdinand könnte man glauben, einer Leseprobe beizuwohnen. Auch wenn sein Charakter ein schwankender ist.
Am Grundkonzept von Rast, die am Haus mit drei bemerkenswerten Inszenierungen auf der Probebühne aufgefallen ist, scheitert der Abend nicht: Ihr Fokus liegt auf der Auseinandersetzung zwischen zwei Klassen, zwischen denen auch durch die Ausstattung vermittelte Ebenen.
Oben Macht, Politik und Intrigen, nicht weniger heutig als 1784, unten Gefühl, der Traum von einem besseren Jenseits, aber auch Verstand. Doch wurden dabei einige Personen bis zur Leblosigkeit reduziert - oder wie beim Hofmarschall (Franz Josef Strohmeier) eine gar nicht witzige Karrikatur zwischen Gossip-Girl und Räuber Hotzenplotz in Szene gesetzt.
Eine Liebesgeschichte über Standesschranken hinweg könnte aufwühlen, der dritte Stern in unserer Wertung gebührt Andrea Wenzl allein. Ihre Luise steht in Flammen, ihr glaubt man den Kampf und die Worte, die sie spricht. Martina Stilp (Lady Milford) ist immer eine Bereicherung, ihre Abreise ein netter Gag in den zweieinhalb Stunden, denen atmosphärisch vor allem nach der Pause die eigens von Anton Bermann komponierte Musik gut tut.
Features
Zur Aufführung
Kabale und Liebe. Von Friedrich Schiller.
Inszenierung: Christina Rast.
Mit: Andrea Wenzl, Martina Stilp, Gerhard Balluch, Franz Solar, Sebastian Reiß u. a.
Vorstellungen: Graz, Schauspielhaus. 8., 9., 14., 17., 20. 10, 19.30 bis ca. 22 Uhr.
Karten: Tel. (0 31 6) 80 00.















