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Zuletzt aktualisiert: 03.10.2009 um 05:41 UhrKommentare

Der langsame Tod der Glasflasche

Die Plastikflasche hat die Mehrwegflasche aus den Regalen verdrängt und verschmutzt die Meere: Wissenschafter schlagen nun Alarm.

Foto © Marija Kanizaj

Es gleicht einem Suchrätsel. Wer im Supermarkt sein Mineralwasser in einer Glasflasche kaufen will, stößt auf eine Wand. Eine Wand aus Plastik. Die Pet-Flasche hat in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Siegeszug angetreten, nach der Hülle aus Glas sucht man lange ­- und oft bereits vergeblich. Nun schreien Umweltexperten Alarm. Wir produzieren mehr und mehr Plastik, das wir am Boden der Weltmeere versenken, wie der aktuelle Dokumentarfilm "plastic planet" zeigt. Plastiksackerl und Pet-Flaschen sind da bei die größten Verschmutzer. Die Glasflasche hingegen stirbt langsam aus.

Michael Narodoslawsky von der Technischen Universität Graz betont zwar, dass "der Energieaufwand zur Reinigung einer Mehrwegflasche in etwa der selbe ist, den ich für die Herstellung einer neuen Pet-Flasche benötige." Für den Prozesstechniker ist die Nachhaltigkeit vor allem "davon abhängig ist, wie das Sammelsystem funktioniert. Die Pet- Flasche wäre für ihn nur interessant, wenn sie wirklich sortenrein gesammelt wird. Das passiert derzeit nicht." Sein Kollege Gerhard Vogel vom Institut für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement der WU Wien formuliert schärfer: "Die Umweltbilanz spricht klar für die Glasmehrwegflasche." Eine durchschnittliche Glasflasche hat 40 Leben, sprich: sie kann 40 mal wieder verwendet werden. Bei diesem Prozess gehen laut Vogel rund 2,5 Prozent aller Flaschen verloren.

Anders die Pet-Flasche: Trotz Recycling wird ein neuer Zyklus nur zu 20 Prozent aus alten Flaschen gespeist. Alles andere geht durch den Verarbeitungsprozess und Fehlwürfe beim Mülltrennen verloren. Die restlichen 80 Prozent für eine neue Flasche müssen neu hergestellt werden, so WU- Professor Vogel. Sätze wie "Pet wird wieder Pet" seien daher reine Marketingsprüche. Für ihn hat hat die Pet- Flasche drei eindeutige Nachteile: Der Materialverbrauch ist ungleich höher; es braucht ständig neue Materialzufuhr, damit geht eine Abhängigkeit von Öl einher; und der Transportaufwand ist höher.

76 Prozent greifen zu Pet

Und dennoch: Die Kunden greifen im Regal beim Mineralwasser lieber zum Plastik. Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil der Einwegflaschen bei Mineralwasser von 35 Prozent auf 76 Prozent angestiegen. "Wir kommen damit den Kundenwünschen nach", sagt Wolfgang Sauer, Wirtschaftskammer-Obmann der Sparte Handel und selbst Kaufmann. Aber hat der Kunde überhaupt noch die Wahl? "Nicht immer", räumt Sauer ein, aber: Viele Geschäfte führen keine Glasflaschen mehr, weil es einfach nicht gekauft wird."

Gerald Winter

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