Kunst zwischen Mystik und Rationalismus
Eine umfangreiche Präsentation von Medienkunst aus Spanien, Arbeiten von Günter Brus, Alfred Kubin, Årge Kugelstein und Susanne Schuda: Neue Galerie als "Full House".
Ramon Llull ist nicht nur ob seiner Christusvisionen berühmt, der 1232 in Palma de Mallorca geborene Philosoph gilt auch als ein Vater des binären Codes. Deshalb ist es nicht unlogisch, eine Ausstellung spanischer Kunst mit dem Titel "Der diskrete Charme der Technologie" mit Beispielen aus Llulls gewaltigem Werk zu beginnen. Seine zwischen Mystik und Rationalismus schillernde Figur als Ausgangspunkt einer nicht minder schillernden Kunstproduktion vor allem aus den vergangenen vier Jahrzehnten zu nehmen.
Immer wieder oszillieren Arbeiten in der groß angelegten Schau zwischen den Polen Geheimnis und Aufklärung, Gefühl und Intellekt, Üppigkeit und Reduktion. Der Einsatz der Technik steht oft im spannenden Gegensatz zu Atmosphäre und Ästhetik der gezeigten Werke.
Low & High
Bei Moisés Mañas' schlicht wirkender, tatsächlich aufwändiger Installation "WIN-D" betreiben aktuelle Winddaten aus Andalusien vier Ventilatoren. Umgekehrt entpuppt sich Eugènia Balcells' vermeintliche Hi-Tech-Anordnung "On And On" als relativ simple Konstruktion aus Licht, Plastikflaschen und Elektromotoren. Das Flair poetischer Magie verströmen beide Arbeiten.
"Der diskrete Charme der Technologie" lenkt den Blick insgesamt auf Kunst, die man mit der Herkunftsbezeichnung "spanisch" nicht sofort assoziiert. Die mehr als vierzig Positionen der Ausstellung zeigen aber auch, dass abseits der verwendeten Medien Inhalte von Bedeutung sind, die mit Spanien sehr wohl in Verbindung gebracht werden. Ramon Llulls Grenzgang zwischen spiritueller Ekstase und gedanklicher Präzision erweist sich als Praxis der Gegenwart.
Drei weitere Ausstellungen ergänzen das reichhaltige Angebot der Neuen Galerie. Das "Bruseum" setzt die Paarläufe seines Namensgebers fort. Günter Brus trifft Alfred Kubin, nach Gemeinsamkeiten, behaupteter Wesensverwandtschaft ist in den dichten Blättern der beiden Grafik-Größen nicht lange zu suchen.
"Zur Verblüffung des Universums" sind Arbeiten des 1942 in Graz geborenen Årge Kugelstein versammelt. In Summe das originelle, zwischen Op, Pop, Psychedelik und Porno angesiedelte Werk eines konsequenten Verweigerers aus mehr als dreieinhalb Jahrzehnten.
Susanne Schudas "Die Zelle" ist Andachtsort auf ironischem Fundament, ein von projiziertem Licht ebenso wie von zahlreichen Kerzen erleuchtetes Kabinett, in das Doktor Frankenstein jeden Moment zurückkehren kann. Hat sich "Die Zelle" längst selbstständig gemacht und verwandelt alle in jene Monster, die Schuda als Bildcollagen vor Augen führt?

















