Migrationsforschung:Tagung diskutiert innovative Ansätze
Transnationalität und -kulturalität ist nicht mehr Ausnahme sondern Norm.
Mit innovativen Ansätzen für die Analyse von Migrationsphänomenen beschäftigt sich die Tagung "Rethinking migration" ab morgen, Dienstag, an der Universität Graz. Die Ausgangslage: Nach einer Schätzung der Vereinten Nationen lebten im Jahr 2005 weltweit fast 200 Millionen Menschen außerhalb ihrer Herkunftsländer - ein Drittel in Europa.
Migration.
"Auch die Migrationsforschung ist nicht unvoreingenommen und hat lange Zeit ausgrenzende gesellschaftliche Vorstellungen über Migrantinnen und Migranten verlängert", urteilt Heidrun Zettelbauer, Historikerin und Leiterin des Forschungsschwerpunkts Migration an der Universität Graz, im Gespräch mit der APA. Mit den jeweiligen theoretischen Zugängen zu Migrationsphänomenen würden immer ganz bestimmte Fragestellungen und Themen gefördert, gleichzeitig andere ausgeblendet und vernachlässigt. So sei zu beobachten, dass in der sozialwissenschaftlich dominierten Migrationsforschung vielfach immer noch Multikulturalismuskonzepte nachwirken, die von scheinbar eindeutigen, abgeschlossenen Identitäten (ethnisch, religiös, geschlechter-, klassen- und schichtspezifisch etc.) ausgehen, so die Wissenschafterin, die für das Konzept der Grazer Tagung verantwortlich zeichnet.
Aus ihrer Sicht seien Migrationsphänomene nicht länger als Bewegungen zu verstehen, die zielgerichtet sind oder einen eindeutig definierbaren Anfangs- und Endpunkt aufweisen würden. "Aktuelle Konzepte betonen die Dezentriertheit von Lebensverläufen überhaupt und gehen generell von Transnationalität, -kulturalität und Mehrsprachigkeit als Norm aus", so Zettelbauer. Brüchige, nicht-kohärente und nicht-lineare Lebensverläufe, Leben in Übergängen, Raum- und Grenzerfahrungen werden in solchen Diskursen nicht länger ausgeblendet oder marginalisiert.
Eröffnet wird die Tagung am Dienstag von der Erlangener Soziologin Elisabeth Beck-Gernsheim mit einem Vortrag über Medienbilder, Missverständnissen und Realitäten der Migration (18.00 Uhr). Im Anschluss diskutieren Expertinnen und Experten aus der Politik, dem Kultur- und Sozialbereich und der Wissenschaft über öffentliche Wahrnehmungsmuster und zukunftsweisende Projekte im Umgang mit Migration.

















