Achtung: Der Chef liegt auf der Lauer
Die AK meldet Zunahme von zum Teil kuriosen Fällen - und klärt auf, was der Chef darf und was nicht.

Foto © APAÜberwachung durch den Arbeitgeber sorgt für Aufregung
Bei dieser "Versteckten Kamera" lacht keiner - im Gegenteil: Die Entdeckung einer Minikamera in einer Uhr bei Magna Steyr in Graz sorgt nicht nur im Unternehmen selbst für Aufregung. Auch die steirische KPÖ forderte eine lückenlose Aufklärung, immerhin sei "die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass es sich um einen Fall von Bespitzelung der Arbeiter handelt", gibt KP-Landtagsabgeordnete Claudia Klimt-Weithaler zu bedenken. Solche Praktiken gehörten generell "abgestellt".
Auch wenn noch unklar ist, wer die Magna-Kamera zu welchem Zweck installiert hat - nach den "Spitzelaffären" rund um die ÖBB-Krankenstände und die Kameras bei "Tiger Lacke" in Wels fragen sich auch steirische Arbeitnehmer: Darf mein Chef auf der Lauer liegen? Muss ich eine Videoüberwachung akzeptieren, die laut Konzernführung ohnehin bloß zum Schutz vor Diebstählen installiert wurde? Und ist es erlaubt, dass meine E-Mails gelesen oder gar protokolliert werden?
Recht auf Privatsphäre
"Verboten ist grundsätzlich alles, was die Menschenwürde verletzt. Das Recht auf Privatsphäre muss auch am Arbeitsplatz respektiert werden. Der Chef darf zwar sein Kontrollrecht ausüben, die Mitarbeiter müssen darüber aber informiert werden", sagt dazu Wolfgang Nagelschmied, der Leiter der Rechtsabteilung der steirischen Arbeiterkammer.
"Die Technik kann alles; und Gelegenheit macht Diebe", stellt der Arbeitsrechtler eine "eindeutige Zunahme beim Missbrauch von Überwachungsmaßnahmen" fest. Dabei werden ihm so kuriose Dinge wie ein eingeschaltetes Handy im Blumentopf, eine Knopflochkamera in der Krawatte oder Videokameras auf den Toiletten gemeldet.
Besser läuft es laut Nagelschmied in größeren Unternehmen mit Betriebsrat. Dort würden Betriebsvereinbarungen geschlossen, die genau regeln, was wann und warum überwacht und aufgezeichnet wird. Bei Klein- und Mittelbetrieben würden sich die Arbeitnehmer aber aus Angst oft nicht wehren. "Die zu uns kommen, sind nur die Spitze des Eisbergs", ist Nagelschmied überzeugt, der von einer weiteren Unsitte zu berichten weiß, die jetzt in manchen Unternehmen Einzug hält. Es würden so genannte Verpfeif-Hotlines eingerichtet und die Mitarbeiter aufgefordert, anonym diverse Beobachtungen zu melden. "Und alles nur zum Besten der Firma, heißt es dann", so Nagelschmied.

















