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Zuletzt aktualisiert: 22.09.2009 um 21:40 UhrKommentare

Vollath: "Angelangt im Wunschressort"

Bettina Vollath (47) ist seit Dienstag die neue Landeskulturreferentin. Wir sprachen mit ihr über ihren Zugang zum Metier, über das Flecker-Erbe und offene Baustellen.

Bettina Vollath

Foto © KLZ DIGITAL/ScheriauBettina Vollath

Frau Landesrätin, Kurt Flecker war in der Kulturszene ein Urgestein, Sie sind in diesem Metier ein eher unbeschriebenes Blatt. Wie ist Ihr Verhältnis zur Kultur?

BETTINA VOLLATH: Bisher war ich nur Konsumentin, das aber seit frühester Jugend und mit breitem Zugang. Ich bin eine Vielleserin, zuletzt verschlungen habe ich zum Beispiel den "Weltensammler" von Trojanow. Und die Handke-Inszenierung im Schauspielhaus hat mich beeindruckt.

"styriarte"-Chef Mathis Huber lobte Sie als eifrige Besucherin seines Festivals.

VOLLATH: Da gibt es tatsächlich seit vielen Jahren ein Nahverhältnis. Und auch zur Oper. Ich war ja sieben Jahre lang Komparsin. Daher sind für mich viele Opern auch wie alte Bekannte.

Schwerpunkt Ihrer Interessen ist also die Klassik.

VOLLATH: Ich möchte meine Vorlieben nicht darauf reduzieren. Bei Gilberto Gil auf dem Schloßberg, wo ja die Leute zunächst eher regungslos zugehört haben, war ich eine der ersten, die zu dieser grandiosen Musik getanzt hat. Vielfalt ist mir wichtig und heute keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. In der Gesellschaft, somit auch in der Kultur.

Diese Vielfalt braucht natürlich verstärkt Kulturvermittlung.

VOLLATH: Ja, vor allem in der momentanen Gesellschaft, die ja immer mehr zerfällt in unterschiedlichste Gruppierungen und Minderheiten. Zwischen all diesen Bereichen gibt es immer weniger Verständigung. Gerade die Kultur muss hier ganz intensiv gegensteuern, sie muss vermitteln und sie muss vermittelt werden.

Konnten Sie Ihren drei Söhnen kulturell etwas vermitteln? Mussten Sie sie in die Oper schleppen oder ließen Sie ihnen Freiräume für eigene Entdeckungen?

VOLLATH: Das Hinschleppen ist natürlich Unfug. Aber man kann auf wichtige Dinge verweisen, das Interesse wecken. Und vor allem ist die Kultur selbst gefragt, auf die Welt der Jugend einzugehen.

Wie lässt sich das krampfrei institutionalisieren?

VOLLATH: Man kann gar nicht früh genug mit der Vermittlung beginnen, schon im Kindergarten, und sie muss kontinuierlich fortgesetzt werden. Ich hoffe, dass dies mit der geplanten Bildungsreform auch realisiert wird.

Kurz zurück zu Ihrem Vorgänger Kurt Flecker. Am Dienstag gab es für ihn beim Abschied als Kulturreferent im Landtag sogar Loblieder von der ÖVP. Fühlt man sich da nicht doch ein wenig wie der sprichwörtliche Zwerg, der auf den Schultern eines Riesen steht?

VOLLATH: Nein. Flecker hat in den vier Jahren für die Kultur viel geleistet, erreicht und verändert, und ich finde tolle Strukturen vor, auf die ich mich tatsächlich auch draufsetzen kann.

Speziell in der freien Szene herrscht erhebliche Sorge vor Umbrüchen durch den Wechsel.

VOLLATH: Die gesamte kulturelle Bandbreite soll und muss weiterhin bestehen können. Deshalb sind ja auch mehrjährige Verträge enorm wichtig, die Rahmenbedingungen, die Verlässlichkeit, die Kontinuität. Zudem will ich - nicht nur - für die freie Szene greifbar und angreifbar, also erreichbar sein. Und ich will nicht lenken, sondern ermöglichen.

Der größte Brocken, der auf sie wartet, ist das Joanneumsviertel. Wie sehen Sie die aktuelle Lage?

VOLLATH: Natürlich gab es zuletzt zahlreiche politische Quertreibereien, aber es herrschen ganz klare Beschlüsse und ich gehe davon aus, dass die ÖVP dazu steht. Die Finanzierung ist also außer Streit, außerdem besteht die Budgetwirksamkeit erst ab 2012, daher wird es darüber vorher auch keine Budgetdebatten geben. Es ist ein Pflichtprojekt, dem sich das Land zu stellen hat.

Der gewichtigere Teil Ihres Ressorts ist das Spitals- und Gesundheitswesen. Kann die Kultur da nicht zum "Beiwagerl" werden?

VOLLATH: Für mich hat alles seine Wichtigkeit und vielleicht ist das eine der dringend nötige Ausgleich zum anderen. Ich sehe da keinerlei Probleme.

Welche Baustellen in der Kultur sehen Sie derzeit noch?

VOLLATH: Ich möchte das Kulturgeschehen außerhalb von Graz noch sichtbarer machen, auch abseits der "regionale".

"herbst", Schauspielhaus, Oper, nun auch die Landeskultur in weiblicher Hand: Das "Dreimäderlhaus" (© Franz Voves) ist also weiter angewachsen. Wie erklären Sie sich diese Dominanz?

VOLLATH: Solange solche Besetzungen in der Gesellschaft diskutiert werden, sind wir noch immer nicht bei der Gleichberechtigung angelangt.

Es gibt ja Leute im Lande, die die Kultur quasi als Gratiskindergarten erachten, im negativen Sinne und reaktionär. Wie werden Sie diesen Leuten fortan begegnen?

VOLLATH: Jede Gesellschaft hat die Kulturdiskussion, die sie verdient. Man kann Menschen nicht dazu zwingen, dass sie sich mit relevanten Themen unserer Zeit auseinandersetzen. Aber ich kann dafür Sorge tragen, dass Diskussionen nicht einschlafen über die Kultur, die ja immer polarisieren kann und soll.

Sollte die Wahl 2010 ungefähr so ausgehen wie die letzte - nicht die in Vorarlberg, sondern in der Steiermark: Würden Sie gerne in diesem Amt bleiben?

VOLLATH: Unbedingt! Schon vor der letzten Wahl war mein Wunschressort die Kultur. Ich bin also angelangt, mir wurde nichts auf das Auge gedrückt.

INTERVIEW: WERNER KRAUSE, MICHAEL TSCHIDA

Zur Person

Bettina Vollath, geboren am 29. Oktober 1962 in Graz, verheiratet, Mutter von drei Söhnen.

Jusstudium in Graz, Tätigkeiten in verschiedenen Anwaltskanzleien und als Mediatorin.

2005 bis 2009 SPÖ- Landesrätin für Bildung und Jugend.

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