Erster Akt, erster Auftritt
Üblicherweise machen wir das ja nicht mit Wienern, aber Elisabeth Sobotka (43) bieten wir gern die steirische Staatsbürgerschaft an. Ein Porträt der neuen Opernintendantin.
Eigentlich wollte die Belegschaft sie ja kürzlich beim Fest "110 Jahre Oper Graz" mit einer Schultüte als Einstandsgeschenk überraschen. Es wurde dann aber doch ein Blumenstrauß. Denn erstens ist Elisabeth Sobotka wahrlich keine Anfängerin, und zweitens ist sie schon durch viele Schulen gegangen, um nicht zu sagen Hochschulen:
Salzburger Festspiele, Jeunesse Wien, Oper Leipzig, Staatsoper Wien und Berlin lauten die klingenden Stationen der 43-Jährigen, die sich neben ihren vielfältigen Studien in ihrer Heimatstadt auch mit einem Lehrgang in Kulturmanagement aufrüstete. Kein Schaden, wie man sieht.
Exotismus
2007 wurde Sobotka aus 31 Bewerbern ausgewählt, die Nachfolge des scheidenden Intendanten Jörg Koßdorff anzutreten. "Ich lege großen Wert auf Risiko", sagte damals Jury-Mitglied Alfred Wopmann, meinte aber nicht die Entscheidung für eine Frau (leider immer noch eher ein Exotismus im Opernbetrieb), sondern für eine schon in jungen Jahren versierte Persönlichkeit mit Offenheit und Mut.
Direktorin Gundula Janowitz warf ja in der Ära Brunner nach nicht einmal einer Saison entnervt das Handtuch, Intendantin Karen Stone flüchtete 2003 überraschend nach Dallas. Über Sobotka indes, die erst zweite Frau in diesem Amt der Oper Graz, hört man seit ihrer Bestellung nur Töne in Dur. Mitarbeiter loben ihre umgängliche Art, auch wenn für Sobotka, die in Wien das Patriarchat Holender und in Berlin Unter den Linden das bekanntlich auch nicht gerade pflegeleichte Duo Peter Mussbach/Daniel Barenboim offenbar narbenfrei überlebt hat, "Konflikte ausgetragen gehören".
Orchesterchef Johannes Fritzsch schätzt ihr dichtes internationales Netzwerk. Ihre permanente Suche nach großen Stimmen von morgen pflegt Sobotka unter anderem beim "Young Singers Project" der Salzburger Festspiele, und vom Berliner Opernstudio brachte sie nun die junge Israelin Gal James mit nach Graz, die in Wagners "Meistersingern" debütieren wird.
Sobotka, die schon seinerzeit von Produktionen an der Grazer Oper - etwa von Pöppelreiters "Ring" oder Kusejs "Salome" - "tief beeindruckt war", gibt die Komplimente ihres Teams gern zurück: Die Wienerin punktete schon vorab mit ihrer Ankündigung, mit ihrem Antritt personell nicht alles auf den Kopf stellen zu wollen, weil "Orchester und Chor wunderbar" seien und sie ein sehr gutes Ensemble vorfinde, das sie - samt Aufbau junger Künstler - intensiv pflegen möchte. Außerdem: "Graz hat vom Bauwerk und der inneren Struktur her ein ideales Opernhaus, in dem ich auch meine Ideale umsetzen kann".
Ziele
Eines dieser Ideale sei die Operette, "zugegeben eine Schwäche". Die unter der Oberfläche schlummernde Stärke dieser "Schwäche" soll schon diese Saison die "Csárdásfürstin" zeigen, nämlich in der Inszenierung von Peter Konwitschny aus 1999, der Teile von Emmerich Kálmáns Liebesturbulenzen auf Schlachtfelder verlegte und so in Dresden für Aufruhr sorgte. Weitere Ziele der Intendantin: Den Belcanto fördern, Auftragswerke vergeben, Kinder zur Musik locken . . .
Letzteres liegt wohl auch darin begründet, dass auf Sobotka, die neben der Oper in der Freizeit "schrecklicherweise auch noch Oper liebt, aber auch Tom Waits, die Rolling Stones oder die Rocky Horror Picture Show", zu Hause noch mehr große Auftritte warten. Hauptdarsteller: Felix (5).
Features
Fakten
Elisabeth Sobotka, geboren am 7. Oktober 1965 in Wien.
Studierte in ihrer Heimatstadt Musik- und Theaterwissenschaft, Publizistik und BWL.
Zunächst im künstlerischen Management der Salzburger Festspiele, bei der Jeunesse Wien und an der Oper Leipzig.
1994 bis 2002 Chefdisponentin und Betriebsdirektorin an der Wiener Staatsoper.
2002 bis 2007 Operndirektorin an der Berliner Staatsoper.













